EIN ALLTAG OHNE BARGELD IM KRAICHGAU MÖGLICH?

Ein Bericht von Silvia Singler | 28.08.2019

Volksbank-Mitarbeiter, Technik-Freak und Zahlungsverkehrsexperte Mathias Legner hat einen Selbstversuch gewagt und bis auf ein paar Notgroschen alle Münzen und Scheine aus seinem Portemonnaie verbannt. Sein Ziel: Acht Tage auf Bargeld verzichten und dabei nicht nur klassisch mit Girocard oder Kreditkarte bezahlen, sondern kontaktlos mit dem Smartphone.

In Stockholm scheint ein Alltag ohne Bargeld kein Problem zu sein. Schließlich hat Abba-Star Björn Ulvaeus bereits 2014 zum Bargeld-Boykott aufgerufen und lebte ein ganzes Jahr ohne. „Die einzige Unannehmlichkeit, die ich erlebt habe, war, dass man eine Münze braucht, um im Supermarkt einen Wagen auszuleihen“, schreibt er auf der Webseite des Stockholmer Abba-Museums. Nun lebt der Mann in Schweden, wo ohnehin nur 19 Prozent der Zahlungen bar abgewickelt werden. In Deutschland sind es laut Bundesbank immerhin rund 74 Prozent. Mathias startet sein Experiment in Wiesloch. Hier lebt und arbeitet er.

Ausflug mit der Familie und Papa zahlt - kontaktlos

Es ist Sonntagvormittag. Ein Familienausflug ins Schwimmbad steht auf dem Programm. Ausgestattet mit Smartphone und girocard geht es an den Kassenautomat. „Hier gabs den ersten kleinen Dämpfer. Beim Bezahlen mit dem Smartphone zeigt der Automat Systemfehler an“ berichtet Mathias, „aber kontaktlos bezahlen mit der Karte ging. Der Sonntag war gerettet.“ Am Abend geht es mit der Familie zum Lieblingsitaliener. Bis vor kurzem war hier nur Kartenzahlung möglich. Immerhin muss man fast sagen. Doch es wurde nachgerüstet. Bezahlen mit dem Smartphone ist kein Problem, auch wenn die Bedienung den Bezahlvorgang skeptisch beobachtete. „Viele Gäste haben wohl noch nicht mit dem Smartphone bezahlt“, stellt er schmunzelnd fest.

Kontaktlos funktioniert mit der Funk­technik NFC. NFC steht für Near Field Communication, also Nahfeld­kommunikation. Mit diesem Chip sind fast alle Giro- und Kreditkarten sowie Smartphones ausgestattet. Man erkennt dies zum Beispiel an dem aufgedruckten Wellensymbol auf Karten und Terminals. Ein großer Vorteil der Funktechnik: Karte oder Smartphone ans Terminal halten, fertig. Kein lästiges kramen nach Kleingeld. Kein einstecken der Karte in den Kartenleser. Kleinbeträge – in der Regel bis 25 Euro – lassen sich sogar unkompliziert ohne PIN bezahlen.

Der Notgroschen rettet die Mittagspause

Im Durchschnitt haben die Deutschen laut Europäischer Zentralbank rund 103 Euro Bargeld im Portemonnaie. Beim Handwerksbäcker um die Ecke braucht auch Mathias seinen Notgroschen. Gerade bei kleineren Beträgen, auf dem Wochenmarkt, beim Eiscafe oder Dönerladen gilt oft: Cash only! Auch Kartenzahlungen ab einem Mindestbetrag von 20 Euro sind hin und wieder noch üblich.

Es tut sich aber auch hier einiges, stellt Mathias bei den nächsten Zahlungen fest. Denn bei seinem zweitliebsten Bäcker und bei der Rezeptgebühr beim Physiotherapeuten zückt er einfach seine girocard. „Kleinbeträge waren hier kein Problem, nur kontaktlos geht noch nicht“, ergänzt er.

Routine im Supermarkt

Klar ist: Im Supermarkt, Drogeriemarkt und auch an der Tankstelle sind Bezahlen mit Karte und Smartphone gang und gäbe – und auch attraktiv. Denn das schnelle und bequeme Vorhalten von Karte und Smartphone verkürzt das Warten in der Kassenschlange.

Fazit: Ohne Bargeld in Wiesloch geht - wenn man bereit ist, auf das ein oder andere zu verzichten. Noch muss man sagen. Denn auch wenn wir noch nicht soweit wie Schweden sind, wo Kleinbeträge auf Märkten oder Zeitschriften mittels mobiler Kartenlesegeräte abgerechnet werden, wird sich auch bei uns digitales Bezahlen weiterentwickeln. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken bieten bereits seit 2018 die digitale girocard und Kreditkarte für Smartphone (Android) an und im Laufe des Jahres kommt ApplePay dazu.

Und: Für alle, die nun motiviert sind, digital mit ihrer girocard oder Visa Karte zu bezahlen, gibt es hier vbkraichgau.de weitere Informationen.

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