Nachhaltigkeit und die Frage: Wie nehmen wir weiter Fahrt auf?

Interview mit Klaus Bieler, Vorstandsmitglied und verantwortlich für die Nachhaltigkeitsstrategie

Ein Bericht von Silvia Singler | 12.08.2021
Klaus Bieler

Hintergrund

Die Volksbank Kraichgau hat vor knapp 10 Jahren beschlossen, das Thema Nachhaltigkeit deutlicher voranzutreiben und war damit eine der ersten Volksbanken in Deutschland. Ein Grund für den Bundesverband der Volksbanken Raiffeisenbanken (BVR) Klaus Bieler zur Podiumsdiskussion der 76. Bankwirtschaftlichen Tagung der Volksbanken und Raiffeisenbanken nach Berlin einzuladen.

In Berlin beantwortete er Fragen zu Erfolgen, Hürden und Zielen und gab Impulse, von denen sich andere Unternehmen inspirieren lassen können. Seine Antworten darauf interessieren auch uns. Daher haben wir nochmals nachgefragt.

 

 

Herr Bieler, unsere Volksbank Kraichgau gehört zu den Volksbanken, die einen schon recht weiten Weg hinter sich haben, was Nachhaltigkeitsentwicklung angeht. Was kennzeichnet diesen Weg zu Nachhaltigkeit? Was haben Sie konkret in Ihrem Hause umgesetzt?

Unseren Weg kennzeichnet, dass wir alles, was wir machen, abwägen inwieweit es ökologisch, fair und unternehmerisch sinnvoll ist. Dabei wurde uns schnell bewusst, wir benötigen einen Bezug auf die Marke „Volksbank Kraichgau“, um wirklich etwas zu erreichen. Auch müssen wir einen Mehrwert für unsere Kunden, für die Mitarbeitenden und die Region schaffen.

Einige konkrete Beispiele: Wir haben unseren eigenen Volksbank Kraichgau Fonds-Nachhaltigkeit aufgelegt. Diese Anlage ist für Kunden aus dem Private Banking und der klassischen Beratung interessant. Neben den Einmaleinzahlungen beweisen dies mehr als 1.000 abgeschlossene Sparpläne. Die Region nimmt am Erfolg teil, indem wir auf einen Teil unserer Verwaltungsvergütung verzichten und damit regionale Projekte, insbesondere Vereine, Schulen und Kitas unterstützen und Nachhaltigkeit in den Alltag bringen.

Ein weiterer Themenschwerpunkt sind von Anfang an unsere Mitarbeitenden: Hier unterstützen wir durch vielfältige Angebote und wurden bereits im Jahre 2014 erstmals mit dem Zertifikat Audit Beruf und Familie  für unsere Personalpolitik ausgezeichnet. Die Maßnahmen reichen von Video unterstützten Übungen am Arbeitsplatz "Back2Action“ bis zu einem Ferienbetreuungsangebot für die Kinder unserer Mitarbeitenden.

Aber natürlich spielt auch der ökologische Aspekt eine große Rolle. Wir errechnen jährlich unseren CO2-Footprint, um messbare Ziele und Maßnahmen ableiten zu können. Wir haben sehr früh auf Ökostrom und Fernwärme umgestellt und installierten eine Photovoltaikanlage. An unseren E-Ladestationen können unsere Kunden und Mitarbeitenden kostenlos ihre Fahrzeuge laden. Wichtig war, uns früh, transparent und glaubhaft zu kommunizieren. So haben wir bereits für das Geschäftsjahr 2014 unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Bei vielen dieser Schritte gab es auch Hindernisse zu überwinden. Es erforderte oft Pionierleistungen, weil viele Unterstützungsangebote im genossenschaftlichen Verbund noch nicht existierten.  

„Die Ergebnisse machen uns schon stolz. Wir werden als werteorientierte Bank, als regionaler Förderer und als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.“

Sie sagen eine frühzeitige Kommunikation war Ihnen wichtig. Gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist es umstritten über Erfolge zu kommunizieren, ohne dass es als Greenwashing bezeichnet wird. Wie blicken Sie auf das Thema? Wie nehmen Ihre Kunden und Mitarbeitenden dies wahr?

Eine frühzeitige Kommunikation sehe ich als sehr wichtigen Punkt. Denn es geht nicht nur um Erfolge, sondern auch darum, aufzuzeigen wie komplex die Herausforderungen sind, wo es Baustellen oder Schwierigkeiten gibt. Dies ist wichtig um in den Dialog zu kommen. Rückblickend muss ich sagen, wir hätten noch stärker und vor allem mehr veröffentlichen sollen. Um ein Gefühl dafür zu bekommen welche Wirkungen im Hause unsere Maßnahmen erzielt haben, haben wir Nachhaltigkeit zum Thema in den regelmäßigen Mitarbeitergesprächen und -umfragen gemacht und auch fest im Vorschlagswesen integriert. Unsere Beraterinnen und Berater spiegeln uns, dass sie in Gesprächen mit ihren Kunden aktiv wenig auf Nachhaltigkeit angesprochen werden. Wenn wir aber Nachhaltigkeit ansprechen, schwingen viele auf dieses Thema mit ein. Und um zu erfahren, wie uns unsere Kunden wahrnehmen und was sie von uns erwarten, war Nachhaltigkeit zudem Bestandteil unserer Kundenbefragung. Die Ergebnisse machen uns schon stolz. Wir werden als werteorientierte Bank, als regionaler Förderer und als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.

„Besonders wichtig ist uns der Dialog mit unseren Kunden, Mitgliedern und Mitarbeitenden, um zu erfahren was diese Stakeholder in Bezug auf Nachhaltigkeit von uns erwarten.“

Vielleicht nun ein wenig plakativ die Frage: Sie haben frühzeitig mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit begonnen. Reicht Ihnen das jetzige Niveau oder welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Uns war von Anfang an wichtig ein Feedback von außen zu erhalten. Also zu erkennen: Auf welchem Niveau stehen wir? Wo haben wir die größte Hebelwirkung? Wo sind unsere Schwerpunkte, aber auch Verbesserungsmöglichkeiten? So haben wir uns entschieden, einen Nachhaltigkeitscheck bereits im Jahre 2018 unter externer Begleitung durchzuführen. Das war auch rückblickend richtig und wichtig eine Einordnung zu erhalten und hat uns wertvolle Impulse gegeben.

Diesen Check konnten wir Ende 2020 gemeinsam mit dem BVR wiederholen. Für uns kam dies zur richtigen Zeit, denn nach knapp drei Jahren konnten wir so nochmals unsere Aktivitäten aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Es wurde erkennbar, wo wir weit vorangekommen sind und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Klaus Bieler

Dazu haben wir Nachhaltigkeit in unserer Balanced Scorecard aufgenommen. Zum einen mit unserem Zielscore, errechnet aus allen Zielen in unseren Handlungsfeldern. Zum anderen und mindestens genauso wichtig ist uns aber die Unternehmenskultur. Daher haben wir uns das große Ziel gegeben, dass die Mitarbeitenden unsere Nachhaltigkeitsstrategie leben. Um dies erreichen zu können, haben wir zu allen Handlungsfeldern Schwerpunkte bestimmt und klare Aufgaben- und Verantwortungsbereiche festgelegt.

Im nächsten Schritt leiteten wir kurzfristige und langfristige Maßnahmen ab. Dazu zählen beispielsweise die Weiterqualifizierung der Berater:innen zu den Themen nachhaltige Produkte und Regulatorik. Aber die Definition von Verbrauchszielen inklusive CO2-Reduktionsziel oder Nachhaltigkeit in der Ausbildung sind in Arbeit. Besonders wichtig ist uns der Dialog mit unseren Kunden, Mitgliedern und Mitarbeitenden, um zu erfahren was diese Stakeholder in Bezug auf Nachhaltigkeit von uns erwarten.

„Dafür braucht es Mitarbeitende, die mit Leidenschaft gemeinsam um die beste Lösung ringen. So entstehen Innovationen.“

Was raten Sie Unternehmen, die sich wesentlich stärker im Bereich Nachhaltigkeit engagieren wollen? Was sollten diese Institute tun oder ggf. auch nicht tun? Wo soll man anfangen?

Unsere Anfänge von vor zehn Jahren sind sicher eins zu eins übertragbar. Es hat sich in den letzten Jahren gesellschaftlich einiges getan, vieles ist bewusster. Es ist sinnvoll für die Nachhaltigkeitsausrichtung einen festen Ansprechpartner, aber auch Impulsgeber in der Geschäftsleitung anzusiedeln. Nachhaltigkeit sollte in der Geschäftsstrategie verankert werden, um dies in das ganze Unternehmen zu transportieren. Dafür sollte auch eine gute interne Struktur mit einem Nachhaltigkeitsteam aufgebaut werden. Man muss die Themenfelder konkretisieren, mit denen man sich beschäftigen will, dann einzelne Handlungsfelder definieren und Verantwortlichkeiten festzulegen.

In dem Kontext muss sich jedes Haus die Frage beantworten: Auf welches Niveau will ich mich bewegen? Und entscheidend: Passt das zu meinem Unternehmen?  Dann ist es wichtig auch kleine, greifbare Veränderungen zügig umzusetzen, die für jeden Mitarbeitenden spürbar sind. Diese QuickWins werden wahrgenommen und untermauern den eingeschlagenen Weg. Was wir zudem lernen mussten ist, dass Nachhaltigkeit komplex ist und Lösungen für zahlreiche Fragestellungen entwickelt werden müssen. Zielkonflikte können sich ergeben, da die nachhaltige Ausrichtung deutlich mehr Aufwand und Kosten verursachen kann. Und jetzt bin ich nochmals bei der strategischen Dimension: Jedes Haus muss den Weg finden, der zu sich, seinen Kunden, mit den Mitarbeitenden und in die Region passt.

Uns ist bewusst: Nachhaltigkeit ist ein Marathon. Als Marathonläufer weiß ich, es kommt auf die richtige Strategie an und um erfolgreich zu sein gilt es, das Ziel im Blick zu haben und mit Ausdauer dranzubleiben und durchzuhalten.

Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren

Happy Birthday Wir können nicht nur Bank, wir können auch Blog

meine Güte, wie die Zeit vergeht…
Es ist gefühlt noch gar nicht so lange her, dass der meine-Blog geboren wurde.
Ein Blog, gefüllt mit Leben, fast ausschließlich durch Mitarbeitende der Volksbank Kraichgau. Profis auf ihrem Fachgebiet – Laien, was das Bloggen betrifft.
Zwei „Lehrjahre“ sind nun vorüber: Ein Grund zum Feiern.   😊

Azubi Welcome Day 2021 Unser Start zum Erfolg

Ausbildungsbeginn bei der Volksbank Kraichgau eG: das heißt es jetzt für unsere 13 neuen Auszubildenden. Wir trafen die Newcomer in schwindelerregender Höhe des Fun4You Wiesloch zum Videodreh. Jetzt reinschauen!

Am anderen Ende der Welt Erlebnisse und Erfahrungen eines unvergesslichen Abenteuermonats

Leben auf einer Farm umgeben von (wilden) Tieren, duschen mit eiskaltem Wasser und Berge von Müll - Eindrücke, die wir nie mehr vergessen werden. Was wir noch auf unserer Reise durch Sri Lanka, Borneo und Singapur erlebt haben und warum wir diese Reise nur mit freundlicher Unterstützung unseres Arbeitgebers, der Volksbank Kraichgau, erleben durften, erfahrt ihr hier.

Mehr Anzeigen

Kommentare