Plötzlich vegan Mein (un)angenehmes Jahr

Ein Bericht von Katja Schäfer | 23.02.2021

Wir Menschen brauchen Sicherheit. Auch wenn wir eigentlich keine Versicherungen mögen, schützen sie das, was uns am Herzen liegt: unser Haus, unser Auto und unser Leben. Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass im Fall der Fälle jemand einspringt. Vor einem Jahr war ich mit 33 in einem Alter, in dem die Beratung zu einer Pflegeversicherung auf der Agenda stand. Diese Versicherung garantiert im Pflegefall meine finanzielle Sicherheit. Mit ihr ergänze ich die gesetzliche Absicherung, die nur einen kleinen Teil der dann anfallenden Kosten abdeckt. Als Pflegefall wird eine Person bezeichnet, die pflegebedürftig ist und deren Gebrechen meist nicht mehr geheilt werden können. Ich fragte mich, wie es soweit kommen kann.

Zum einen durch Krankheiten, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen, Krebs oder psychische Erkrankungen. Zum anderen auch durch Unfälle und Einschränkungen des Bewegungsapparates. Mir fällt auf, dass die erstgenannten Krankheiten zum Teil auch unter den Zivilisationskrankheiten auftauchen, welche oft auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sind.

Ein weiterer Faktor, der mich mit Blick auf die Zukunft beunruhigt, ist der Pflegekräftemangel.
Aber bleiben wir optimistisch: Angenommen im Falle eines Falles bin ich finanziell abgesichert und es gibt ausreichende Kapazitäten in der Pflegebetreuung - will ich überhaupt auf fremde Hilfe angewiesen sein?

Leben bedeutet für mich Freiheit, Gesundheit und Selbständigkeit. Ein Pflegefall zu werden gehört nicht dazu. Ich fragte mich, was ich für meine Gesundheit tun kann, um in Würde alt werden zu können, soweit ich darauf Einfluss habe.
Ich bin Fan eines gesunden Lebensstils und dazu zählen für mich: keine Zigaretten oder Drogen, nur gelegentlich Alkohol, ausreichende Bewegung, die mir Spaß macht, sowie Entspannungs- & Erholungsphasen. Außerdem: eine gesunde Ernährung.

Daher startete ich das Jahr 2020 mit einem Frühjahrsputz für meinen Körper – meine jährliche Heilfastenkur. Ein altbewährtes Heilmittel, das den Körper über einige Tage, in denen man keine feste Nahrung zu sich nimmt, entlastet. In dieser Zeit fallen die üblichen Tätigkeiten wie Einkaufen und Kochen weg und ich nutze meine freien Ressourcen, um mich inspirieren zu lassen. Ich schaute einige Dokumentationen zum Thema Gesundheit und Ernährung wie z.B. What the Health, Gabel statt Skalpel, The Game Changers und Eating you alive, um nur ein paar davon zu nennen.

Und hier begann meine Reise.

Ich erkannte, dass ich mit der Wahl meiner Nahrung einen noch größeren Einfluss auf meine Gesundheit nehmen konnte, als es mir bisher bewusst war. In den Filmen sah ich Menschen, die u. a. an Diabetes Typ 2 oder Bluthochdruck litten und von Medikamenten sowie Behandlungen abhängig waren. Mit der Aussicht, dass sich dieser Zustand weiter verschlechtern und zum Tod führen würde. Ein sehr trauriges Szenario, wie ich fand.

Was sie alle gemeinsam hatten: Nach einer Ernährungsumstellung auf rein pflanzliche Lebensmittel besserten sich ihre Blutwerte und ihr Wohlbefinden stieg rapide. Der Lebenswille kam zurück und die Aussicht auf die Reduzierung oder Absetzung ihrer Medikamente motivierte sie weiter. Ich stellte mir die Frage, ob es überhaupt erst soweit kommen muss? Oder kann ich schon jetzt etwas tun, um Krankheit und Abhängigkeit zu vermeiden?

Was mir die Dokumentationen ebenfalls zeigten und was ich bisher gerne verdrängt habe, ist das unsägliche Leid, das wir mit dem Verzehr von tierischen Produkten verursachen. Diese Bilder waren für mich durch mein Werteempfinden kaum auszuhalten. Aber auch der Einfluss unserer Ernährungsweise auf den Ressourcenverbrauch und somit den Klimawandel beeinflussten mich. Zu diesem Thema hat übrigens unser Partner, die Klimaarena Sinsheim, zwei interessante YouTube-Videos gedreht, nämlich "Klimakiller Fleisch?!" und "Klima:utopie - Wenn niemand mehr Fleisch isst".

Vegan also, aber wie geht das?

Kein Fleisch, kein Käse, keine Milch, keine Eier… sprich keine tierischen Produkte - aber dann kann ich ja gar nichts mehr essen! Gedanken wie diese sowie die Angst, eine Ernährungsumstellung nicht durchzuhalten schwirrten durch meinen Kopf. Eins vor weg: Heute, ein Jahr später sitze ich hier und schreibe diesen Artikel. Verhungert bin ich also nicht! 😉

Ich habe gelernt mich abwechslungsreich und vielfältig zu ernähren. Meine aktuellen Highlights: selbstgezogene Sprossen, Avocadobrot mit Frühlingszwiebeln, veganes Gulasch mit Rotkohl und Knödeln sowie Pasta aller Art.

Wie ging es mir in meinem ersten veganen Jahr?

Abgesehen von den großen Herausforderungen der aktuellen Krise, die mich und die meisten anderen seit Monaten belastet, war die Umstellung auf eine vegane Ernährung im vergangenen Jahr unterm Strich: einfach! Durch den Wegfall von Straßenfesten, Geburtstagsfeiern und Restaurantbesuchen waren Verlockungen weniger gegeben. Ganz klar muss ich sagen, dass ich den Geschmack von Wurst, Fleisch, Käse und Eiern liebe. Es ist nicht so, dass diese Gelüste sich auf einmal auflösen. Aber nun mache ich mir bewusst, wer oder was leiden musste, bis mein Gericht auf dem Teller landet. Tiere, Umwelt und im schlimmsten Fall: ich selbst. Mit dieser Einstellung fällt mir die Entscheidung für die pflanzliche Wahl meistens leicht. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn auch ich bin nicht perfekt.

Was ich mir sonst noch spare

Durch die Ernährungsumstellung spare ich mir die Aufnahme von Stress- und Angsthormonen, Medikamentenrückständen, Antibiotika, Eiter und Keimen in meinen Körper. Müsste ich es beschreiben, trifft die Aussage, dass ich mich weniger „belastet“ fühle, am ehesten zu.

Und was sagen die anderen?

Was andere sagen oder denken sollte mich nicht beeinflussen. Das weiß ich generell. In gewisser Weise tut es das allerdings doch. Beispielsweise wenn ich zum Essen eingeladen bin und sich Freunde oder Familie sehr viel Mühe beim Kochen geben. Deshalb informiere ich, vorab, wie ich mich ernähre. Ich erwarte keine Sonderbehandlung und frage stattdessen, ob ich etwas mitbringen kann. In den meisten Fällen stößt meine Ankündigung auf Interesse, Neugier und Rücksicht, gepaart mit der Aussage „Das ist krass, ich könnte das nicht!“

Was mich motiviert dran zu bleiben

Ganz klar habe auch ich Tage, an denen ich gestresst bin oder ich mich traurig fühle und an denen mir die Einhaltung meines Ernährungsziels schwerfällt. In diesen Fällen gehe ich verständnisvoll mit mir selbst um und verurteile mich nicht, wenn ich auf ein vegetarisches Gericht ausweiche.

Gerne mache ich mir auch bewusst, dass ich dreimal am Tag die Wahl habe - auf ein Jahr gerechnet also 1.095 Mal - die ich zugunsten meiner Gesundheit und des Wohls von Tieren und der Erde treffen kann. Und hier finde ich zählt jede einzelne Entscheidung.

Ich möchte in diesem Artikel nicht den imaginären Zeigefinger erheben, sondern mit meinen eigenen Erfahrungen und Überlegungen inspirieren. Ich freue mich, wenn ich dich auf gewisse Unstimmigkeiten unseres üblichen Ernährungsstils aufmerksam machen konnte. Vielleicht bereitest auch du demnächst ganz bewusst ein veganes Essen zu. Denn einmal ist auf jeden Fall besser als keinmal. Ich wünsche dir dabei ganz viel Spaß und einen guten Geschmack!

PS: Und was die Pflegeversicherung angeht: Die Ernährungsweise ist ein wichtiger Faktor für die Gesunderhaltung von Körper und Geist, aber eben nicht der einzige. Deswegen werde ich mich hierzu noch einmal genauer beraten lassen, denn: Safety first!

 

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