Weltspartag:

Früher – Heute – Morgen?

Ein Bericht von Christina Mildenberger | 28.08.2020

Eine Reise in die Vergangenheit: 30. Oktober 1994

Mit meiner gut gefüllten Spardose laufe ich, gemeinsam mit meiner Familie, zur Bankfiliale. Ich bin schon gespannt. Das ganze Jahr über habe ich fleißig gespart: Taschengeld, Geburtstags- oder Weihnachtsgeld, eine Belohnung für eine gute Schulnote... Alles kam in die Dose. Am Morgen des Weltspartags wurde dann auch noch das Kleingeldfach meiner Eltern geplündert – alles natürlich fair geteilt, mit meinen Geschwistern.

Hauptsache: Es ist viel drin.

Vor der Türe steht schon eine lange Schlange. Es ist noch früh. Alle Kinder sind gespannt, welche Geschenke es in diesem Jahr gibt. Klar, ich habe das ganze Jahr über auch fleißig gespart und freue mich, dafür eine Belohnung zu erhalten.

Nur langsam geht es vorwärts. Die Dame hinter der dicken Sicherheitsscheibe hat heute Verstärkung erhalten.

Weltspartag

Zum Glück. Von weitem hört man das Kleingeld klimpern. Spardoseninhalte werden in Schüttbehälter geleert und die letzten Münzen mühevoll herausgeschüttelt – zur Not muss auch noch die Schere herhalten, um die letzten widerspenstigen Münzen herauszuholen. Vor mir steht ein Junge mit einer prall gefüllten Asbach-Uraltflasche. Das kann dauern …

Weltspartag

Wir sind dran. Ich bin schon aufgeregt.

Wie viel Geld habe ich dieses Jahr gespart? Wir versuchen zu schätzen. Mal schauen, wer am nächsten mit seiner Vermutung liegt?

Die Dame hinter dem Sicherheitsglas zählt meine Scheine sowie die Münzen, welche fein säuberlich in einen Münzzählblock sortiert werden. Ich bin richtig stolz. Es ist so viel, dass die Bankmitarbeiterin sogar das Geld rollieren muss – es passt einfach nicht alles in den Einzelmünzbehälter.

Am Ende darf ich sogar den Beleg unterschreiben. Ich, ganz allein. Dann reiche ich der Dame mein Sparbuch. Sie trägt mit der Schreibmaschine den Zins vom vergangenen Jahr ein sowie meinen gerade gezählten Geldbetrag. Sie reicht mir mein Sparbuch. Ich strahle. Ich habe mehr gespart als im vergangenen Jahr.

Bevor wir wieder gehen, darf ich mir noch ein Bonbon nehmen, einen Luftballon aussuchen und ein Geschenk auswählen. Es ist schön: Eine Schreibtischunterlage. Zufrieden gehen wir nach Hause.

So war das damals. Und heute?

Ja, es gibt sie noch: Kinder, welche das Sparschwein zum Sparen nutzen. Doch gespart wird heute hauptsächlich anders: Vom Konto der Eltern, direkt auf einen Sparplan. Kleingeld? Das gibt es eher weniger. Taschengeld gibt’s direkt auf das Taschengeldkonto oder in Form einer Prepaidkarte fürs Handy, dem Erwerb von Computerspieldownloads, Klamotten …

Und wie ist das in der Bank? Zählen tut die Geldzählmaschine. In manchen Bankfilialen wird der Sparschwein-Inhalt sogar nur noch entgegengenommen und in einen Plastikbeutel gefüllt. Gezählt wird es dann später, bei der Bundesbank.

„Geschenke gibt es noch aber es ist schwieriger geworden, dem Anspruch der heutigen Jugend gerecht zu werden“, so meine Kollegin Stefanie Heilig. Sie arbeitet in der Marketingabteilung der Volksbank und ist für die Bestellung der Weltspartagsgeschenke zuständig. „Die Kinder haben einfach schon so viel... Ich sehe das zu Hause, bei meinen eigenen.“

Ich gebe zu: Mit einer Schreibtischunterlage wird es heute schwierig werden, ein Lächeln auf die Lippen der Kinder zu zaubern.

Und Zinsen? Mit diesem Thema will ich jetzt lieber nicht anfangen.

Sagen wir es mal so: Es gibt sie noch, die Zinsen, aber man muss sie suchen (oder natürlich von einem Mitarbeitenden der Volksbank beraten werden).

Weltspartag

Aber warum gibt es dann noch einen Weltspartag?

Der Weltspartag soll die Wichtigkeit des Sparens hervorheben. Den Spargedanken verinnerlichen. Vorsparen, statt Kredite aufnehmen. Der erzieherische Grundgedanke: Ein Ziel vor Augen haben, darauf hinarbeiten und sich am Ende selbst belohnen. Das Weltspartagsgeschenk soll nur eine kleine Belohnung sein, bis die Erfüllung des langersehnten Wunschs umgesetzt werden kann. Irgendwann – manchmal noch weit in der Zukunft.

Wenn man Kinder nach den richtig großen und teuren Wünschen befragt, erhält man immer noch die Antwort: Ein Auto, der Führerschein, eine Reise, ein eigenes Haus … Daran hat sich seit meiner Kindheit nicht viel geändert. Und am Spruch „Kleinvieh macht auch Mist“ oder „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ auch nichts. Wer rechtzeitig beginnt, auch mit kleinen Beträgen, darf sich am Ende über ein schönes Sümmchen freuen.

Weltspartag

Ein Tag mit Zukunft?

Früher gab es in der Weltsparwoche eine Urlaubssperre für die Mitarbeitenden der Volksbank. Am Weltspartag selbst wurde oft bis in die späten Abendstunden gearbeitet. Das Geld musste nochmals gezählt, anschließend rolliert und die Scheine in Banderolen verpackt werden. Nach Hause ging es erst, wenn alle Belege aufaddiert wurden und der Ist-Bestand mit dem Soll-Bestand übereinstimmte.

Manche Kollegen von mir erinnern sich an Sonderaktionen wie eine Popcorn- oder Zuckerwattemaschine und extra eingerichtete Kinderschalter. Die Aktionen wurden oftmals meist von Azubis übernommen. Die Filialen waren immer bunt dekoriert.
„In den vergangenen Jahren nahm die Anzahl der Einzahlungen stetig ab,“ so meine Kollegin Stefanie Heilig. „Die Nachfrage hat abgenommen“, so ihr Fazit. Ein Bild, welches das Kundenverhalten im Allgemeinen widerspiegelt.

Das Bargeld verschwindet nach und nach. Alles wird digitaler – auch bei den „Kleinen“.

Weltspartag 2020

Die Volksbank Kraichgau möchte auch 2020 wieder einen Weltspartag durchführen, allerdings haben wir uns auf Grund der aktuellen Situation für ein Weltspartagsquartal vom 30. Oktober bis Ende Januar 2021 entschieden. Stefanie Heilig hat dafür, in Absprache mit den Regionalmarktleitern und den Mitarbeitenden vor Ort, bereits Anfang des Jahres schon eine schöne Auswahl an Geschenken getroffen und geordert. Die fleißigen Sparer dürfen sich daher auch in diesem Jahr wieder auf tolle Belohnungen freuen.

Ob der Weltspartag Zukunft hat?

Diese Frage kann wohl keiner beantworten: Das entscheidet die Zeit und die Nachfrage. Was laut meiner Kollegin keine Zukunft hat sind allerdings die Luftballons sowie die Gummibärchen in der bekannten Form. „Dies sind keine nachhaltigen Produkte – passen einfach nicht mehr in die heutige Zeit.“ Mit einem Schmunzeln verrät Sie mir: „Aber keine Sorge, wir haben einen Ersatz für die altbewährten Gummibärchen gefunden.“ Das Weltspartagsquartal kann also kommen.

Ich freue mich schon darauf, nun als Mama, meine Tochter zum Weltspartag begleiten zur dürfen.

Was soll ich sagen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Kinder eifern ihren Eltern nach. Auch im Umgang mit Geld. Wir sind für die Gelderziehung zuständig. Meine „Kleine“ ist heute schon mächtig stolz auf ihre gut gefüllte Spardose. Stolz, wie ihre Mama damals. Und wer weiß, welchen Traum sie sich damit erfüllen wird, wenn sie einmal groß ist? Vielleicht etwas ganz unerwartetes und außergewöhnliches oder doch einen ganz klassischen und absolut praktischen Wunsch, ganz wie bei ihrer Mama: Die Zahlung des Führerscheins.

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