Sinsheim 2.0 – please hold the line

Heimattage und 1250-jähriges Stadtjubiläum in der Warteschleife

Ein Bericht von Melanie Janko | 24.03.2020

Mitten in meiner Arbeit zu diesem Blog Anfang März, flatterte die Nachricht herein, dass die Corona-Welle nun auch Sinsheim erreichte – alle Heimattage-Veranstaltungen wurden bis auf weiteres bzw. Mitte Juni 2020 auf Eis gelegt. Die Enttäuschung bei den Verantwortlichen, Vereinen, Institutionen und der Bevölkerung ist groß.

Aktuell besteht wegen der Corona-Pandemie wichtiger Handlungsbedarf  – ich persönlich denke es ist absolut bedeutsam, dass wir alle den Maßnahmen und Empfehlungen, die vom Robert-Koch-Institut und von Fachleuten wie Virologen ausgesprochen werden und den Sicherheitskonzepten der Bundesregierung und -länder, Folge leisten. Der Gesundheit zuliebe. Das gilt für jeden Einzelnen und für uns alle - daher passt auf euch und eure Lieben auf und bleibt gesund!

AUFGESCHOBEN IST NICHT AUFGEHOBEN - WIE GEHT ES WEITER - VERANSTALTUNGSHINWEISE
 
Die Verantwortlichen und die Veranstalter hatten sich mit viel Herzblut ins Zeug gelegt und das breitgefächerte Jahresprogramm das in der Zentralstadt und teilweise in den Stadtteilen stattfinden soll, kann sich sehen lassen.

An Theater, Lesungen, Musik, Mundart, Führungen, Tanz, Stadt- oder Stadtteilfeste – ist derzeit leider nicht zu denken. Doch ich wünsche uns Zuversicht. Das diese so bedrückenden und unwirklichen Tage bald einer traurigen Geschichte angehören und wir wieder in Sicherheit und Normalität Leben können. Das was wir bisher tagtäglich für absolut selbstverständlich hielten wurde nun zu einem bedeutenden und unverzichtbaren Gut. Lasst uns dieses Bewusstsein mit in die Zukunft nehmen.

Damit Ihr bei den Heimattage-Veranstaltungen auf dem Laufenden bleibt, gibt es aktuelle und nähere Informationen auf der Heimattage-Homepage. Dort ist ein umfassender Terminplaner ersichtlich, der kontinuierlich angepasst wird. Bei Fragen bekommt Ihr Auskünfte von den jeweiligen Veranstaltern bzw. Verantwortlichen oder per E-Mail über die Geschäftsstelle der Heimattage.

INTERVIEWS

Im Zusammenhang mit den Heimattagen habe ich für Euch unterschiedliche Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, getroffen und sie zu Ihrer Heimat, der Region hier im Kraichgau und weiteren Themen befragt. Heute startet die Kleinserie mit dem Interview des Sinsheimer Oberbürgermeisters Jörg Albrecht. Ich war bei Herrn Albrecht vor Ort im Rathaus.

Profil:  Jörg Albrecht
Profil: Jörg Albrecht

Verheiratet, 2 Kinder, wohnhaft in Mauer, geboren am 23.10.1968 in Heidelberg und aufgewachsen in Sandhausen.

Er besuchte die Hauptschule und erlangte danach in Heidelberg die mittlere Reife. An der Universität Heidelberg absolvierte er eine Ausbildung im mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst. Später machte er die Fachhochschulreife am Berufskolleg Heidelberg um an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl das Studium zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) abzuschließen.

Beruflich war er als Sachbearbeiter beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis und als Kämmerer der Stadt Rauenberg tätig, bis er im Jahr 2001 zum Bürgermeister der Gemeinde Mauer gewählt wurde. 2012 kandidierte er als Nachfolger von Rolf Geinert, der nicht mehr angetreten war, für das Amt des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Sinsheim, welches er bis heute inne hält.

Sein Hobby ist Mountainbiken.

INTERVIEW MIT OBERBÜRGERMEISTER JÖRG ALBRECHT VOM 5. MÄRZ 2020

Melanie Janko: Herr Albrecht, Sie sind nun in Ihrer 2. Amtsperiode OB der Stadt Sinsheim und können eines der schönsten Ereignisse einer Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung mit den Landesheimattagen in Sinsheim feiern. Welche Erwartungen haben Sie persönlich und in Ihrer Funktion als OB der Stadt Sinsheim zu den Heimattagen 2020?

Jörg Albrecht: Die Heimattage 2020, dass merkt man jetzt schon haben natürlich eine enorme Dynamik in die Stadt gebracht, auch in die Bevölkerung. Das merkt man. Es gibt Gruppierungen und Leute die zusammen sind, die sich vielleicht in der Form nie gefunden hätten. Insofern hat es im Vorfeld schon eine riesen Dynamik gegeben und die Dynamik wird sicher in einer gewissen Art und Weise aufrecht erhalten bleiben.

Es werden zum Schluss Dinge übrig bleiben, die man jetzt noch gar nicht absehen kann. Also, Gruppen oder Teams in irgendwelcher Form die geholfen haben oder die einen Programmpunkt machen; ich verspreche mir für die Zukunft einen noch größeren Zusammenhalt in der ganzen Bevölkerung; insofern wird das Heimattagejahr in ganz unterschiedlichen Ausprägungen viel bringen. Auch die Resonanz bei den Gemeinderäten und Vereinen ist ebenfalls sehr gut. Ich registriere auch, dass die Gemeinderäte die Veranstaltungen in größerer Zahl besuchen, die stehen voll und ganz dahinter. Und bei den Vereinen und der Bevölkerung sieht man es ja alleine an den Besucherzahlen der Veranstaltungen. Die Veranstaltungen die bisher waren, waren alle ausverkauft; teilweise musste man die Veranstaltung neu aufsetzen um alle in einem größeren Umfang zu befriedigen. Die Resonanz ist überwältigend, konkret bei den Vereinen die wir teilweise angefragt haben zu helfen, auch da ist eine super gute Resonanz; insofern kann ich nach aktuellem Stand nur positives sagen - Daumen nach oben.

Haben Sie irgendein Highlight im Veranstaltungsjahr?
Es gibt ja verschiedene Highlight-Veranstaltungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Es ist sicherlich „Baden-Württemberg kulinarisch“. Der Abend mit Frau Käsmann war super. Die Baden-Württemberg-Tage haben natürlich einen ganz besonderen Reiz. Die Lange Nacht der Heimat. Also es gibt jetzt nicht das eine Highlight. Es gibt drei richtig große Veranstaltungen die auch von den Besucherzahlen her Großveranstaltungen sind, mit dem Baden-Württemberg-Tag, dem Stadtjubiläum und dem Landesfestumzug, aber es gibt auch herausragende kleinere Veranstaltungen die man vielleicht noch gar nicht so wahrnimmt, die aber sicherlich was ganz besonderes sind.

Für Sie persönlich?
Für mich persönlich aber auch für die Bevölkerung, weil wir das in der Form noch nicht hatten und auch nicht mehr haben werden nach diesem Jahr; gerade die Lange Nacht der Heimat, ob man das in der Form wieder hinbringt in den weiteren Jahren wo 28 Einrichtungen bis 24 Uhr geöffnet haben mit ganz unterschiedlichem Programm; von Stiftskirche Klavierkonzert, PreZeroArena über Kneipen über KlimaArena – sicherlich was ganz besonderes.

Was bedeutet für Sie persönlich „Heimat“ und was macht Sinsheim bzw. die Region im Kraichgau für Sie besonders?
Also Heimat bedeutet für mich dort, wo man natürlich vertraute Umgebung, Freunde, Bekannte und Familie hat. Wo ein Stück weit Geborgenheit und Identifikation vorhanden ist.

Die Besonderheit des Kraichgaus und der Region ist sicherlich, dass wir alles zu bieten haben was man sich für ein gutes, ausgewogenen Leben wünscht. Von guten Arbeitsplätzen und starker Wirtschaft über die Landschaft und die Natur und vor allen Dingen den Freizeitbereich mit hochkarätigen Freizeiteinrichtungen und Veranstaltungen die es andernorts in der Form gar nicht gibt und schon gar nicht in der Häufung. Wenn man jetzt gerade einmal denkt, dass man in unserer Stadt mit 36.000 Einwohnern Fussball-Bundesliga gucken kann ist das herausragend. Und wenn ich Lust habe und mal Eishockey sehen will, fahre ich 10 Minuten nach Mannheim. Die Region ist sagenhaft. Für die Berufsausbildung und auch später dann den Arbeitsplatz; es sind ja alle Global Player hier im Umkreis von 40-50 km.

Sie sind in Sandhausen aufgewachsen, leben in Mauer und arbeiten in Sinsheim. Gibt es – wenn überhaupt – regionale Unterschiede oder Eigenarten in Bezug zu den Menschen oder Begebenheiten in den genannten Gemeinden und was macht jede Einzelne für Sie bemerkenswert?
Die sind zuerst alle sehr nette und gesellige Leute insgesamt gesehen. Aber es ist jede Ortschaft – selbst in unserer Stadt mit den 12 Stadtteilen – anders und das äußert sich ganz unterschiedlich. Aber sagen wir mal so: Im Gesamten merkt man, dass wir Kurpfälzer sind, d.h. ein sehr freudiges und geselliges Volk das auch unternehmungslustig ist, insofern gibt es keine großen Unterschiede in dem Sinn, dass man sagen würde ich bin da oder dort lieber, das könnte ich jetzt nicht sagen. Es ist alles unterschiedlich und alles anders aber alle Kommunen und Ortschaften haben ihren Reiz.

Sie haben täglich unzählige Termine wahrzunehmen, erledigen Verwaltungsaufgaben im Büro und zwischendurch posten Sie auf Social Media über aktuelle Themen. Wie kriegen Sie alles unter einen Hut und gibt es auch Aufgaben, die Sie eher abgeben würden?
Nicht wirklich; also ich mache alles sehr gerne, das muss ich sagen, ich habe keinen Bereich wo ich sagen würde das mache ich nicht so gern. Es liegt vielleicht auch daran, dass ich diesen Job mit großer Leidenschaft und Freude mache. Da gibt es nichts wo ich sagen würde das mach ich nicht oder das gebe ich ab. Wie ich das alles unter einen Hut kriege kann ich gar nicht beantworten, das weiß ich selber nicht, aber das ist eine Eigenschaft von mir, dass ich ein gutes Zeitmanagement hab. Anders geht es nicht.

Gibt es irgendwelche Herausforderungen in der Zukunft die Sie sich privat und / oder beruflich Stellen wollen?
Also, ich fühle mich hier wohl. Beruflich gibt es für mich gar keine Herausforderung mehr. Ich kann es nur nochmal erwähnen, in einer Stadt mit 36.000 Einwohnern, was wir jeden Tag geboten kriegen bzw. an Aufgabenstellungen haben durch die Lage von Sinsheim nach Stuttgart, nach Frankfurt, nach Mannheim und mit den vielen unterschiedlichen Großunternehmen, Freizeiteinrichtungen oder anderen Dingen, fühle ich mich hier sehr wohl. Ich bin ein Kind der Region und das werde ich auch, denke ich, bleiben.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?
Das Zusammentreffen mit den Menschen die hier leben und wenn man von dort Impulse bekommt, die man dann auch umsetzen kann und quasi so zum Wohlgefühl der Stadt beitragen kann.

Wenn man an den Neujahrsempfang der Stadt Sinsheim denkt und an Ihren sehr ausführlichen Bericht mit vielen Zahlen, Daten, Fakten, hat man im Hinterkopf auch den Job eines Bankers oder Buchhalters. Wäre das eine Alternative gewesen?
Banker ja, Buchhalter eher nicht. Unter dem Gesamtbegriff Wirtschaft ja, da ist auch der Kontakt zu den Menschen groß, aber nicht so groß wie in meinem Job. Vor allen Dingen das, was ich oder wir hier machen ist halt sofort in der Bevölkerung spürbar und das ist der Reiz.

War das schon immer Ihr Berufswunsch?
Das bin ich auch schon oft gefragt worden. Ich kann es nicht mehr genau sagen, wann der Gedanke genau entstanden ist, dieses Amt anzustreben. Es war auf jeden Fall kein Kindheitswunsch und es war nicht unbedingt gezielt darauf angelegt. Es ist eher im Laufe der Zeit gewachsen. Dadurch, dass ich mehr Einblicke bekommen habe, dachte ich, das wäre mal was für mich.

Was gab es denn für Alternativen im beruflichen Bereich?
Im beruflichen Bereich hatte ich mich relativ schnell auf die Verwaltung fixiert gehabt und in meinem Studium war auch relativ schnell klar, dass ich in Richtung Finanzwirtschaft was mache, also Kämmerei, den wirtschaftlichen Bereich mit Eigenbetrieben.

Was ist die Sinsheimer Identität für die Kernstadt und die Stadtteile in Zeiten von Onlinehandel und Tourismus? Welche Zukunftsvisionen gibt es hier?
Das sind alles aktuelle Themen die wir gerade beackern. Auch die Frage: „Was nimmt irgendwann mal das Auto oder das Fahrrad tatsächlich für einen Raum ein?“ Das ist die größte Herausforderungen aktuell. Wir hatten uns mal auf den Weg gemacht einen Internetmarktplatz zu installieren, dieser ist allerdings nicht auf Resonanz gestoßen. Und auch hier hatten die Händler ganz unterschiedliche Auffassungen, deshalb ist das ein spannender Prozess der noch lange nicht zu Ende ist. Aber aktuell sind wir froh und dankbar, dass wir eine recht belebte Innenstadt haben, das sieht in anderen Städten schon anders aus. Wobei man halt immer sagen muss, dass vieles inhabergeführt ist und solange das so ist, wird es auch so bleiben. Spannend wird es, wenn der Wechsel kommt in eine andere Generation und eventuell die Geschäfte nicht mehr von einer Nachfolgegeneration weiterbetrieben werden, wie es sich dann entwickelt.

Wie sieht die Belebung in Zukunft aus?
Da ist eine ganz Große Grundlage unsere aktuelle Verkehrsentwicklungsplanung, die uns Daten und Fakten liefert was das Thema Verkehr angeht. Das ist aktuell natürlich höchst belastend. Und nur dann, wenn wir hier Verbesserungen haben, können wir überhaupt diskutieren ob wir in der Innenstadt mehr Aufenthaltsqualität schaffen können, nach meinem dafürhalten wäre das sehr positiv, wir haben ja z. B. immer noch einen Durchgangsverkehr. Das Thema Aufenthaltsqualität in Städten muss ein Thema der Zukunft sein, weil die muss anders werden wie wir sie heute sehen.

Die Gesamtvision ist die Aufenthaltsqualität insgesamt zu verbessern. Das ist eine Vision die wir bereits begonnen haben. Wenn man den Freibadvorplatz sieht, jetzt Dr. Sieber-Halle-Vorplatz, erkennt man schon, dass wir hier eine andere Vision, was Aufenthaltsqualität in unserer Stadt betrifft, im Fokus haben und das wollen wir natürlich in einer gewissen Art und Weise in unserer ganzen Stadt sehen. Aber dazu ist es auch wichtig, dass wir ganz unterschiedliche Themen ineinander greifen. Wie sieht es aus mit dem Verkehr? Wie sieht es aus mit der Fußgängerzone? Wie läuft es weiter mit den Geschäften? Was können wir als Stadtverwaltung als Teil dazu beitragen Aufenthaltsqualität zu schaffen? Erinnern möchte ich an den „Drei Königs Erwerb“; das haben wir nur erworben um Geld in die Stadt zu bringen, Gastronomie anzusiedeln und den Innenhof Würfel / Drei König jetzt mit einer neuen Aufenthaltsqualität zu versehen. Wenn man das sieht, das ist höchst ansprechend. Ich denke das ist der neue Trend, den die Städte brauchen.

In Sachen Tourismus sind wir sehr sehr aktiv, da stehen wir besser da als vor einigen Jahren noch. Das hat sicherlich mit dem Austritt aus dem vorherigen Tourismusverband zu tun, wobei ich das nicht kritisieren möchte, nur ist das nicht unsere Region. Wir sind anders hier und das war gut, dass wir einen eigenen Weg gegangen sind und ich denke das, was wir hier machen mit umliegenden Kommunen, die „Erlebnisregion Sinsheim“, das kann sich mehr als sehen lassen.

Und wie sieht das in den Teilorten aus?
Auch die Teilorte profitieren davon. In ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Sie sind eingebunden wenn es um Übernachtungsmöglichkeiten geht oder Restaurants. Auch im Nahversorgungsbereich sind wir neue Wege gegangen. Wir haben mit dazu beigetragen, dass Nahversorgung vor Ort erhalten bleibt. Als Beispiele, Hoffenheim und Eschelbach. In Eschelbach haben wir ein Wohn- und Geschäftshaus selbst gebaut und die Metzgerei und Bäckerei dort erhalten. Das gelingt nicht überall, aber zumindest haben wir teilweise mal das Zepter in die Hand genommen. In Hoffenheim haben wir ein Gebäude erworben; da konnten nur wir dazu beitragen, dass der Markt dort erweitert werden kann, also da haben wir schon gute Dinge, denke ich, ins Rollen gebracht.

Sinsheim ist bundesweit bekannt für die Autobahnstaus auf der A6. Seit dem Autobahnausbau ViaA6West hat man das Gefühl, dass auch der innerstädtische Verkehr in der Kernstadt des öfteren zu kollabieren drohte. Zugegebener Maßen ist das Verkehrskonzept hier nicht mehr zeitgemäß. Welche Alternativen und Planungen gibt es hierzu?
Jörg Albrecht(schmunzelt): Wir haben noch nie ein Verkehrskonzept gehabt, das ist das Problem. Das Thema Verkehr sind wir das erste Mal seit 3 Jahren strukturell und strukturiert angegangen. Das war ja das große Problem, dass man immer nur aus Vermutungen und Gefühlen heraus, aus Emotionen gesprochen hat. Wir haben jetzt erst einmal richtig aufarbeiten lassen, mit Daten und Fakten hinterlegt, denn man kann nicht immer nur von bestimmten Empfindungen und Vermutungen ausgehen. Wir werden jetzt genau in das Thema einsteigen. Welche Maßnahmen haben welche Auswirkungen oder welche Maßnahmen könnte welche Auswirkung haben. Und das ist ein ganz wichtiges Thema. Das ist natürlich extrem aufgeploppt seit dem A6 Ausbau. Seitdem war Sinsheim auch mit Verkehr belastet aber nicht in diesem Ausmaß. Klar ist auch, dass durch die KfZ-Zunahme sich noch einmal eine ganz andere Dimension ergeben hat. Und wir kriegen natürlich zunehmend eine Gruppe zum Thema Verkehr dazu, eine immer größer werdende Gruppe, weil auch da ein technischer Fortschritt vorhanden ist, dass sind die Radfahrer und E-Bike Nutzer, davon gibt es nun natürlich vielmehr. Diese konkurrierenden Gruppen muss man jetzt bündeln und so entsprechende Maßnahmen treffen, dass sich die Situationen für alle verbessert. Für den Autoverkehr, für das Thema Verkehrsbelastung der Innenstadt, aber auch für das Thema Fußgänger und Radfahrer.

Vor ein paar Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, war auch mal angedacht die Hauptstraße verkehrsberuhigt zu machen, das ist irgendwo im Sande verlaufen.
Das hat einen Grund. Die Hauptstraße ist eine Bundesstraße. Deshalb können wir diese nicht stilllegen und schon gar nicht, solange es keine Anbindung der B39 an die B292 gibt, weil klar ist, die B39 ist aktuell Ortsdurchgangsstraße. Insofern wäre es gar nicht möglich. Ich schließe das für die Zukunft nicht aus, wenn es eine Nordanbindung gibt, dann wird das Thema sicherlich nochmal zum Thema werden.

Mit dem Auto Technik Museum, der Badewelt, der PreZero und KlimaArena sowie dem Erlebnispark Fördertechnik hat Sinsheim unter anderem herausragende Leuchttürme in der Region, wovon die Stadt auch profitiert. Wie begegnet man sich und wie ist die Zusammenarbeit der Wirtschaft mit der Verwaltung?
Die Zusammenarbeit ist wirklich hervorragend! Regelmäßige Treffen und ein regelmäßiger Austausch unterjährig. Die Stadt selbst zeigt sich verantwortlich; zweimal im Jahr finden größere Unternehmertreffen statt, wo alle Unternehmer zu ganz unterschiedlichen Themen eingeladen sind. Der ganz enge Kontakt besteht zum Wirtschaftsforum und zu den „Global Player“, hier gibt es regelmäßig einen Austausch in Form von Besuchen oder Kurzgesprächen, einfach mal kurz vor Ort zu gehen.

Global Player sind hauptsächlich die Großunternehmen, wo viele Leute beschäftigt sind, dann die touristische Destinationen, das ist klar. Wir als Stadtverwaltung haben auch den Fokus auf jede einzelne kleine Firma; die werden auch so bedient wie die Großen.

Sinsheim hat sich in den vergangenen Jahren optisch an unterschiedlichen Stellen verändert und ist strukturell weiter gewachsen. Welche Projekte stehen nach den Heimattagen schon in den Startlöchern und welches davon ist für Sie persönlich herausragend?
Also, wir haben Einiges. In den Überlegungen steht nichts in den Startlöchern, weil das wäre noch zu früh um zu sagen, das wäre schon am Start. Es gibt ein ganz großes Fragezeichen, das ist nämlich die weitere finanzielle Entwicklung. Die Konjunktur wird schlechter, deshalb werden wir da vielleicht eingeschränkt sein. Wir planen natürlich in den Stadtteilen den Erhalt der Infrastruktur, das betrifft insbesondere die Schulen und die Mehrzweckhallen oder auch Verwaltungsgebäude, da ist das Thema Straßen noch gar nicht tangiert. Und für die Kernstadt das Thema Sanierungsgebiet Innenstadt, ein ganz wesentlicher Baustein für die städtebauliche Entwicklung und das Thema Busbahnhof, also Ausbau und Verbesserung ÖPNV. Da gehört für mich persönlich nicht nur die Vertaktung dazu, sondern auch die Aufenthaltsqualität an Busbahnhöfen bzw. -haltestellen, das werden die Themen sein die wir nach den Heimattagen angehen. Aber das sind Millionen Investitionen und deshalb müssen wir erst einmal abwarten wie das Jahr 2021 aussieht zumal wir aktuell noch unheimlich viele laufende Großprojekte in der Pipeline haben, die noch gar nicht begonnen sind, die aber laufen, weil sie zu Ende geführt werden müssen und die teilweise noch über 1-2 Jahre laufen; ich nenne gerade einmal ein paar Beispiele: Die Sanierung der Kraichgau Realschule, ein 8 Mio. Projekt, das geht im Sommer los; Neubau Kindergarten Süd für 5 Mio., Spatenstich Anfang Mai; neues Feuerwehrhaus Kernstadt, also es gibt noch einige Dinge die wir erst einmal noch abarbeiten müssen um dann neue Großprojekte aufzusetzen.

Wenn Sie in den Medien die Geschehnisse auf der Welt mitbekommen – Schlagwörter: Fridays for Future, Corona-Pandemie, Hanau etc. - und wenn Sie etwas verändern könnten, was wäre es und weshalb?
Da braucht man gar nicht so weit zu gehen. Was zunehmend festzustellen ist, ist die Verrohung unserer Gesellschaft. Das ist ein riesiges Problem, da nicht mehr bewusst ist, wo Grenzen sind und wo Grenzen gesetzt werden müssen und wo auch eine gewisse Grenze überschritten wird. Und das Problem, das massiv dazu beiträgt, sind die ganzen sozialen Medien. Das nimmt immer mehr zu und das wäre schon ein Bereich wo ich mir wünschen würde, dass man mal wieder alles ein bisschen resetet und sich mal verständigt, wie geht man miteinander um. Das wäre so mein Wunsch.

Was gibt es Ihrer Ansicht nach für Ansätze die man leisten kann, damit sich etwas ändert?
Das ist die spannende Frage. Also das geht natürlich an das Thema Extremismus und so weiter. Das sind natürlich Themen die wir auf kommunaler Ebene nur bedingt beeinflussen können. Wobei es natürlich auch in unserer kleinen überschaubaren Welt Gelegenheiten gibt, sich dagegen zu stellen. Aber das ist natürlich eine ganze Bandbreite von gesellschaftlicher Schule, Bildung, wie man sich verhält, das geht ja manchmal völlig verloren. Dass es eine Grunderziehung ist, die man auch beibehält und es geht über eine Gesetzgebung und natürlich auch über das Strafrecht, das sind sicherlich viele Maßnahmen die da ergriffen werden müssen, um es wieder auf einen vernünftigen Weg zu bringen.

Durch Ihren Job begegnen Sie Menschen und Personen in unterschiedlichen Funktionen bzw. Lebensumständen. Auf welche Begegnung haben Sie sich am meisten gefreut? Und wer davon hat Sie sehr inspiriert?
Das sind auch wieder viele, das ist ja logisch. Ich komme natürlich mit vielen ganz unterschiedlichen Leuten zusammen. Eine interessante, inspirierende Begegnung ist mit Dietmar Hopp, das ist immer eine Bereicherung. Aber ich treffe über das Jahr hinweg ganz unterschiedliche Personen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Vor Wochen die Frau Käsmann, war interessant. Aber auch selbst mit Bürgern sind immer interessante Begegnungen dabei, weil man vielleicht noch gar nicht so wahrnimmt wie man sie dann bei bestimmten Anlässen kennenlernt. Da würde ich auch keinen Einzelfall herausgreifen wollen, weil es immer ganz spannende, manchmal auch ganz zufällige Begegnungen gibt über das Jahr hinweg.

In welcher Form hat Sie ein Dietmar Hopp oder eine Frau Käsmann inspiriert?
Einmal durch den Intellekt, das Wissen und durch eine Art und Weise wie sie auch mit Menschen umgehen können bzw. die Einstellung zum Leben als so eine Person wie sie es sind. Das ist schon beeindruckend. Aber wie gesagt, es betrifft auch ganz einfache Menschen. Ich kenne zum Beispiel eine Bürgerin die selbst nicht viel hat, die zu denen gehört, die eher arm sind und die immer für andere gibt und ein unheimlich großes Herz hat. Das gibt es in unserer Gesellschaft eigentlich schon noch und das sind immer schöne Begegnungen wenn man sieht, dass es noch so Leute gibt.

Welche Persönlichkeitseigenschaften schätzen Sie bei anderen besonders?
Dass man bodenständig bleibt, für andere da ist und dass man auch ein Stück weit für andere einsteht.

Über was können Sie so richtig herzhaft lachen?
Ja ich kann eigentlich über vieles lachen. Ganz banale Dinge, es kommt auch ein bisschen auf die Tagesform an.

Der Job eines Oberbürgermeisters kann ja eigentlich nur durch den Posten des Landrats getoppt werden. Wäre das eine Herausforderung?
Wir haben einen exzellenten Landrat, dem ich noch dazu freundschaftlich verbunden bin, also deshalb wünsche ich mir, dass er lange lange noch bleibt. Schon aus dem Grund wäre es für mich keine Option Landrat zu werden. Und was will man eigentlich mehr als in der zweitgrößten Stadt im Rhein-Neckar-Kreis Oberbürgermeister zu sein, Bundesligafußball und alle möglichen Sachen zu haben. (Lacht) Wenn wir noch ein Schloss hätten, wären wir komplett.

Vervollständigen Sie den Satz: „Sinsheim ist…“
„...die beste und schönste Stadt im Kraichgau.“

Vielen Dank für das Interview.

Kleine Ausschnitte vom Interview mit dem Oberbürgermeister Jörg Albrecht könnt Ihr im Video auf unserem YouTube-Kanal miterleben. Ich wünsche Euch viel Spaß!

Eure Mel

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