Bio – Eine Lebensphilosophie

Mit Zuversicht einen neuen Schritt gewagt

Ein Bericht von Christina Mildenberger | 21.04.2021

Arbeit für drei Generationen

Sonja und Tobias Knäpple betreiben in Bad Rappenau - Wollenberg einen Geflügelhof im Nebenerwerb: die Knäpple-Siegmann GbR. Hauptberuflich ist Sonja Knäpple Mitarbeiterin bei der Volksbank Kraichgau, Tobias Knäpple arbeitet als Planer in einer Druckerei. Auf dem Hof der Familie, der bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Familienbesitz ist, leben aktuell 497 Legehennen, drei Hähne, 22 Mutterschafe (Nolanas) und aktuell elf neugeborene Lämmchen, zwei Heidschnucken, elf Sundheimer Hühner (eine altdeutsche Sorte), ein Sundheimer Hahn, ein Hund, zwei Gänse und weitere 150 Gänse von Juni bis zum Weihnachtsbraten. Die Bewirtschaftung des Hofs erfolgt ausschließlich durch die Familie selbst. „Die „Kinder“ und meine Eltern sind uns eine große Unterstützung“, so Tobias Knäpple. „Alle drei Generationen arbeiten mit Freude zusammen. Wir haben einen tollen Zusammenhalt.“

weisse Hühner
Schafe

Beflügelt vom Bio-Trend

Im Mai kommen weitere 1000 Legehennen hinzu, welche ihren Platz im neuen Stall der Familie Knäpple-Siegmann finden. Dieser befindet sich aktuell noch im Bau, wird aber bis zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt sein. Und das alles nach Bioland-Richtlinien. Sonja und Tobias Knäpple haben ihren Hof nach strengen Bioland-Vorgaben bereits umgebaut und möchten ihr Angebot nun durch den Kauf weiterer Hühner ausbauen. „Die Nachfrage ist riesig. Wir können aktuell leider keine neuen Kunden aufnehmen“, so Sonja Knäpple. „Die Menschen legen vermehrt Wert auf Bio – sie möchten wissen, wo die Produkte herkommen.“ „Corona hat diesen Trend sprichwörtlich beflügelt“, so Tobias Knäpple. Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Quelle: bmel.de –Öko-Barometer-2020) stieg der Anteil der Käufer, welche ausschließlich oder häufiger Bio-Eier erworben hatten, im Vergleich zu 2019 nochmals um acht Prozentpunkte und lag 2020 damit bei 74 Prozent. Dies ist auch der Grund, warum die Eheleute diesen Schritt wagen – mit Zuversicht in die Zukunft investieren.

Huhn1
Huhn2

Voll automatisch – rund um die Uhr

Eine Investition ist hierbei nicht nur der neue Stall – es wurden bereits auch zwei neue Eierautomaten angeschafft. „Ein Automat wird direkt an der Hauptstraße aufgestellt, für den zweiten ist ein weiterer Standort in Wiesenbach geplant“, so Tobias Knäpple. Die Eheleute möchten mit diesem Automaten einem Trend folgen: Einkaufen 24/7, jeden Tag und zu jeder Zeit. Der Verkauf über die Eierautomaten soll das bestehende Angebot abrunden. Bisher hatte sich dieser mit einem Anteil von über 50 Prozent auf Großkunden (Biomärkte) und zum anderen Teil auf einen festen Kundenstamm, welchen Sonja Knäpple mit ihrem Verkaufswagen beliefert, beschränkt.

Bio – Eine Lebensphilosophie

Was Bio-Kunden suchen ist die Gewissheit, dass die erworbenen Produkte aus einer nachhaltigen, ökologischen und regionalen Landwirtschaft stammen und deren Erzeuger respektvoll mit Tier und Natur umgehen. Sonja und Tobias Knäpple möchten mit ihren Bioprodukten nicht nur einem Trend folgen – es ist für sie eine Lebensphilosophie. „Wenn wir was machen, dann machen wir es richtig!“, so Tobias Knäpple. Er schmunzelt. „Bio fängt bei uns schon bei der Heizung an, welche mit Chinaschilf betrieben wird.“ Dieses wird direkt von einem guten Freund, um die Ecke, abgekauft. Sie selbst bauen auf ihren 35 Hektar Wiesen- und Ackerfläche Obst und Gemüse, wie zum Beispiel Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Hafer, Soja und Dinkel an. Alles Bio. Sogar der Rasenmäher ist grün. Die Nolana-Schafe sorgen dafür, dass das Gras nicht all zu hoch wird. Ihr Fell, welches diese Rasse von alleine verliert, trägt zusätzlich zur natürlichen Düngung des Bodens bei.

Nudeln
Automaten

Ein hart erworbenes Zertifikat

Bioland hat strenge Kriterien, welche zweimal im Jahr kontrolliert werden. Einmal angekündigt und einmal unangekündigt. „Um das Zertifikat zu erhalten, müssen viele Dinge beachtet und eingehalten werden“, so Tobias Knäpple. Die Eheleute dürfen ausschließlich Tiere von Bio-Höfen erwerben und Futter aus Bio-Produktionen nutzen. Stallgröße, Freigehege und auch die Ausstattung unterliegen strengen Vorgaben, welche vor der Zertifizierung mit dem Zollstock bis auf den Millimeter nachgemessen werden. Am Ende muss das „Produkt“, wie Landwirte es nüchtern nennen, nach Bioland-Richtlinien über spezielle Betriebe wie Bio-Metzger, Bio-Nudelhersteller oder beispielsweise Bio-Zuckerhersteller verarbeitet werden. Nur so darf es am Ende auch als Bio-Produkt verkauft werden.

Bio-Anbau bedeutet HANDarbeit

„Bio bedeutet viel Handarbeit“, so Sonja Knäpple. Pro Hektar Zuckerrrüben benötigt man beispielsweise knapp 150 Hand-Arbeitsstunden. Bio: Ein großer Aufwand und eine große Herausforderung. Dennoch blicken die Eheleute zuversichtlich auf Morgen: „Der starke Zusammenhalt in unserer Familie sowie das Bewusstsein der Verbraucher, zukünftig mehr Wert auf regionale und biologische Produkte zu legen, gibt uns den Mut und die Zuversicht auf dem richtigen Weg zu sein.“ Dass sich Sonja und Tobias Knäpple auf dem richtigen Weg sehen beweist auch, dass sie in etwa vier bis fünf Jahren den Betrieb an Sohn Erik Siegmann übergeben möchten. Dieser wird nach seiner abgeschlossenen Ausbildung als Tierwirt den Hof in fünfter Generation weiterführen. „Wir sind davon überzeugt, Erik einen wirtschaftlich gut aufgestellten Hof übergeben zu können.“

Es ist schön, dass Unternehmen wie die Knäpple-Siegmann GbR mit öffentlichen Fördermittelmaßnahmen und durch erfahrene Firmenkundenberater der Volksbank Kraichgau, bei der Realisierung ihrer Wünsche unterstützt werden. Mit gut geplanten Investitionen und einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft, steht einer baldigen Übergabe an Sohn Erik nichts mehr im Wege.

Übrigens: Dies ist ein Beitrag aus unserem Geschäftsbericht 2020. Den vollständigen Geschäftsbericht finden Sie hier

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