Klasse statt Masse

„Keine Bürde, sondern eine Verantwortung“

Ein Bericht von Nicole Pollakowsky | 13.05.2020

Mit dem Wieslocher Einrichtungshaus Weckesser Wohnen führt Kai Weckesser seit Anfang 2020 ein Familienunternehmen mit über 120-jähriger Tradition. Dass er einmal die Nachfolge seines Vaters antreten würde, stand für den 38-Jährigen nie in Frage.

Das Lieblingsmöbel von Kai Weckesser ist ein Designklassiker: der Lounge Chair des amerikanischen Designerpaares Charles und Ray Eames aus dem Jahr 1956. Das edle Stück in seine Wohnung zu stellen, hat er allerdings noch nicht gewagt – zu gefährlich. Für den Sessel. „Meine Kinder sind ein und drei Jahre alt, die müssen erst einmal lernen, mit Möbeln umzugehen“, lacht der 38-Jährige. Vorerst muss er sich also damit begnügen, den Lounge Chair in seinen Ausstellungsräumen zu bewundern, denn Weckesser sitzt sozusagen an der Quelle: Er ist Geschäftsführer des gleichnamigen Einrichtungshauses in Wiesloch.

BEWUSST IN DER HOCHWERTIGEN NISCHE

„Alles ausser gewöhnlich“ – mit diesem Slogan wirbt das Familienunternehmen, das auf eine über 120-jährige Geschichte zurückblickt. Das Motto entspricht ganz der Firmenphilosophie. Beliebige Massenware zu Schnäppchenpreisen sucht man bei Weckesser Wohnen vergeblich. „Wir sind bewusst in die hochwertige Nische gegangen“, erklärt Kai Weckesser. „Statt auf Masse setzen wir auf Design, Qualität, Langlebigkeit und die Verwirklichung der individuellen Wohnträume unserer Kunden.“ Diese Ausrichtung geht maßgeblich zurück auf Kais Vater, Peter Weckesser, der die Geschicke des Unternehmens ab 1987 leitete. Ab 1995 war auch Kai im väterlichen Betrieb tätig, zunächst als Aushilfe in der Montage und im Lager. „Ich habe meinen Job von der Pike auf gelernt“, sagt der Möbelexperte rückblickend. Nach dem Abi 2002 absolvierte er jedoch zunächst eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten, um „ein Fundament zu haben“, wie er betont. Ab 2006 trat er schließlich „offiziell“ ins Familienunternehmen ein, das er seit 2009 gemeinsam mit seiner Familie leitete und dessen alleiniger Geschäftsführer er seit Anfang 2020 ist.

Weckesser Wohnen Generationenwechsel

GENERATIONENWECHSEL LANGFRISTIG GEPLANT

Ganz klassisch haben die Weckessers so die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie vollzogen. Selbstverständlich ist dieses Vorgehen längst nicht mehr. Laut einer KfW-Untersuchung planen rund 152.000 mittelständische Unternehmer bis Ende 2021 eine Nachfolgeregelung für ihren Betrieb. Doch nur noch 44 Prozent von ihnen wünschen sich, ihr Unternehmen in die Hände eines Familienangehörigen zu legen und suchen stattdessen nach einem externen Käufer. Für Kai Weckesser schwer vorstellbar. „Es war uns als Kinder freigestellt, was wir später werden wollten“, sagt er. „Aber für mich stand schon immer fest, dass ich einmal das Geschäft meines Vaters weiterführen würde.“ Eine Bürde sei das für ihn nie gewesen, „eher eine Verantwortung“. Entsprechend langfristig haben die Weckessers den Generationenwechsel angelegt. „Das geht nicht von jetzt auf gleich“, so Kai Weckesser.

Seit 2009 hat er mit seinem Vater gemeinsam die Geschäfte geführt und dabei nach eigenen Angaben „extrem viel gelernt“. Und auch heute noch schätzt er den Senior als Berater, ebenso wie die anderen Familienmitglieder, die alle ihre eigene Funktion im Möbelhaus haben: Kais Frau Hannah im Marketing und in der Eventorganisation, sein Bruder Christian nebst Schwägerin Christine in der Verwaltung und Seniorchefin Anja Weckesser als Interior-Designerin.

Ein langjähriges Vertrauensverhältnis verbindet das Familienunternehmen auch mit der Volksbank Kraichgau. „Vor über 30 Jahren ist mein Vater als Jung-Unternehmer Kunde geworden“, so Kai Weckesser. „Die Volksbank hat schon damals an ihn geglaubt.“ Am Finanzpartner schätzt er  besonders die Nähe, die räumliche ebenso wie die persönliche, und den Austausch auf Augenhöhe.

DIREKTER KUNDENKONTAKT IST UNERSETZLICH

Könnte sich der Lokalpatriot Kai Weckesser sein Unternehmen auch an einem anderen Ort vorstellen? „Die Rhein-Neckar-Region ist ein sehr guter Wirtschaftsstandort, unser Konzept geht hier auf, außerdem bin ich als Ur-Wieslocher in meiner Heimat festverwurzelt“, so Weckesser. Expansionsüberlegungen gäbe es durchaus, etwa für einen zweites Geschäft in Citylage in einer der größeren Städte der Region. Vorerst hat jedoch die Corona-Krise alle Zukunftspläne in die zweite Reihe verbannt. Der Fokus richtet sich derzeit völlig auf die Kundenbetreuung am Stammsitz in Wiesloch. Denn der Lockdown im Frühjahr hat Kai Weckesser und seiner Familie drastisch vor Augen geführt, was sie eigentlich schon längst wussten: Der direkte Kundenkontakt ist für das Familienunternehmen unersetzlich. Zwar ist man auch bei Weckesser Wohnen schon seit mehreren Jahren im Digitalmarketing zunehmend aktiv, trotzdem steht für den Geschäftsführer fest: „Wir sind keine digitale Branche.“ Viele der Möbel seien maßgefertigt und individuell zusammenstellbar. Kai Weckesser: „Das funktioniert nicht über einen Online-Shop.“ Auch er würde sich schließlich niemals den Eames Lounge Chair kaufen, ohne vorher das Leder gerochen und probegesessen zu haben.


ZEITREISE DURCH DIE GESCHICHTE VON WECKESSER WOHNEN

Karl Weckesser ist es, der die Familientradition begründet, indem er 1898 seiner Schreinerei einen kleinen Beratungs- und Verkaufsraum anfügt. In den folgenden Jahrzehnten wird das Geschäft im Stadtteil Altwiesloch immer weiter ausgebaut. 1980 zeigt das Unternehmen 14 verschiedene Küchen auf 110 Quadratmetern Fläche. Doch die Kunden wollen mehr als nur gut kochen: Speisezimmer und Wohnzimmerausstattungen ergänzen nach und nach das Sortiment – und der Platz wird knapp. 1984 öffnet die Niederlassung in der Heidelberger Straße ihre Pforten. Doch bald ist es auch hier zu eng. 1993 zieht Weckesser Wohnen an den heutigen Standort in den Weinäckern im Gewerbegebiet Wiesloch West. Zwischen 2006 und 2007 folgt der erste Anbau, das Lager wird 2013 erweitert, nur drei Jahre später folgt ein Komplett-Umbau des Gebäudes. Heute bietet Weckesser Wohnen auf über 7.000 Quadratmetern hochwertige Möbel sämtlicher Kategorien. 

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