Vom Bauen und Recyceln Ein Nachhaltigkeitsfonds, Bänke aus wiederverwertetem Kunststoff und ein neues Gebäude mit Rückbauplänen

Ein Bericht von Autor: Christian Beck, Redakteur der Rhein-Neckar-Zeitung Sinsheim | 21.10.2019

Weshalb hat jeder einzelne Verbraucher großen Einfluss darauf, dass Rohstoffe wiederverwertet werden können? Wie kann sich eine Bank nachhaltig aufstellen? Und was hat das mit der Klima Arena zu tun? Christian Beck sprach darüber mit Alfred Ehrhard, Vorstandsvorsitzender der Klimastiftung für Bürger, sowie Matthias Zander, Vorstandssprecher der Volksbank Kraichgau, und Dietmar Böhm, Geschäftsleiter von PreZero.

Herr Böhm, die Firma „PreZero“ ist Exklusivpartner der Klima Arena. Ihr Unternehmen hat sich im Bereich Entsorgung, Sortierung und Recycling die Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Dieser Tage wurde in einem Fernsehbeitrag von „Report Mainz“ behauptet, dass in der Entsorgungsbranche ein großer Teil des Recyclingmülls verbrannt wird. Wie passt das zusammen?

Böhm: Das war eine sehr einseitige Darstellung. Klar ist noch nicht alles perfekt, trotzdem sind wir in Deutschland mit dem Recycling immer noch Vorreiter. Anders als in dem Beitrag dargestellt, gibt es natürlich Kontrollen und Nachweise, die von der Branche erbracht werden müssen. Aber etwas anderes darin fand ich noch viel bedauerlicher.

Und zwar?

Böhm: Dem Zuschauer wurde vermittelt, dass Mülltrennung nicht wichtig ist. Dabei liegt hier der Schlüssel. Wenn der Aludeckel noch am leeren Joghurtbecher hängt und so in den gelben Sack geworfen wird, kann beides schwer recycelt werden und landet meist in der Verbrennung. Aber wenn recycelt wird, können Ressourcen und CO2 eingespart werden. Um dies den Verbrauchern mitzuteilen, organisieren wir mit anderen Partnern aus der Branche Beratungsstände auf Supermarkt-Parkplätzen. Dafür investieren wir viel Geld.

Und was hat das mit der Klima Arena zu tun?

Böhm: Dort wird Kindern wie Erwachsenen unter anderem ganz spielerisch vermittelt, wie man mit Ressourcen umgeht, die als Müll bezeichnet werden. Und dass es wichtig ist, dass aus alten Produkten neue entstehen können, um so Ressourcen zu schonen. Wir haben auch bei zwei Exponaten mitgewirkt, die dies verdeutlichen. Darüber hinaus haben wir das Entsorgungskonzept der Klima Arena mitgestaltet. Und im Außenbereich stehen Bänke, die wir aus recycelten Kunststoffen hergestellt haben.

Herr Zander, die Volksbank Kraichgau ist ebenfalls Exklusivpartner der Klima Arena. Was hat eine Bank mit Klimaschutz zu tun?

Zander: Die Volksbank beschäftigt sich seit etwa zehn Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Ein eigenes CSR-Team, das die Nachhaltigkeitsausrichtung der Volksbank Kraichgau unterstützt, widmet sich bei uns ausschließlich diesem Thema. Dazu gehört auch das Thema Klima. Uns gefällt, dass die Klima Arena auch auf Schulen abzielt. Denn hier geht es ja darum, das Bewusstsein in puncto Klimaschutz zu verändern. Uns liegt es ja allen am Herzen, welche Welt wir unseren Nachkommen hinterlassen. Und dieser Gedanke ist ja auch in der genossenschaftlichen Idee sehr tief verankert.

Wie sieht das konkret aus?

Zander: Wir haben nachhaltige Produkte. So zum Beispiel bei der Baufinanzierung. Hier geht es ja nicht nur um den besten Zins. Wir vermitteln dem Kunden beispielsweise auch geeignete Partner, wenn sie nachhaltig bauen möchten. Darüber hinaus beraten wir bei nachhaltigen Förderprogrammen.

Und darüber hinaus?

Zander: Wir haben unseren Nachhaltigkeitsfonds. Wir investieren dort ausschließlich in Investments, die über Nachhaltigkeitsfilter ausgewählt wurden. Und 25 Prozent unserer Erlöse geben wir zurück in die Region, die auch nachhaltigen Charakter haben, zum Beispiel Projekte zu Recycling an Schulen. Die Klima Arena ist für uns ein visueller Anker.

Medien wie Verbände kritisieren das so genannte Greenwashing. Hier präsentieren sich manche Unternehmen als besonders umweltfreundlich, der Schein trügt jedoch. Was sagen Sie dazu?

Böhm: Mit Plakaten ist es nicht getan. Man muss wirklich etwas leisten. Das fordern auch die eigenen Mitarbeiter. Und wir können ja gar kein Greenwashing betreiben: Durch weniger Ressourcenverschwendung in der gesamten Wertschöpfung verbinden wir Ökologie mit Ökonomie. So haben wir ein grundlegendes wirtschaftliches Interesse daran, umweltfreundlich zu handeln.

Wie grün ist die Volksbank wirklich?

Zander: Plakate mit „So grün ist die Volksbank Kraichgau“ wird es nicht geben. Aber wenn wir eine Filiale umrüsten, versuchen wir, dies CO2-neutral zu tun. Manche ältere Filiale entspricht diesem Standard noch nicht. Ich würde also nie sagen, dass wir tiefgrün in allen Feldern sind. Aber wir bauen die grüne Linie nach und nach ein.

Die Exklusivpartner engagieren sich finanziell. Wo profitiert die Klima Arena darüber hinaus von der Zusammenarbeit?

Ehrhard: Die Volksbank engagiert sich beim Thema Klimaschutz an Schulen – da haben wir gemeinsam Anknüpfungspunkte gesehen. Denn ein Großteil unserer Besucher werden Schüler sein. Bei PreZero ging es uns darum, zu zeigen, wie man Wertstoffkreisläufe schließen kann. Wie zum Beispiel bei den Parkbänken. Es zeigt: Deutschland ist ein Rohstoffland. Sie befinden sich aber nicht in der Erde, wir tragen sie mit uns herum. Oder halten uns in ihnen auf. Zum Beispiel bei diesem Gebäude.

Wie meinen sie das?

Erhard: Wir haben es so gebaut, dass es in einigen Jahrzehnten auch wieder zurückgebaut werden kann.

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