Wohin mit dem Müll?

Welcher Abfall wie und wo richtig entsorgt wird - ist ganz schön kompliziert. Wie es funktionieren kann, zeigen uns Wieslocher Schüler.

Ein Bericht von Silvia Singler | 30.03.2020

Drei Jahre ist es her, dass wir den Nachhaltigkeitswettbewerb für Schulen gestartet haben. Damals kannten wir Greta Thunberg alle noch nicht und niemand sprach von „Fridays for Future“. Und heute: Ein 16-jähriges Mädchen rüttelt den UNO-Klimagipfel in New York auf, die Bundesregierung legt einen CO2-Preis fest und in Sinsheim gibt es eine Klima Arena.

Aber genauso überrascht sind wir von den Schülerinnen und Schülern des Ottheinrich-Gymnasiums in Wiesloch. Was für uns gefühlt langsam und mühsam begann, hat auf einmal Fahrt aufgenommen. Wow!

EIN KURZER ÜBERBLICK

Am OHG (wie die Wieslocher ihr Gymnasium nennen) gibt es inzwischen sechs Teams, die an unterschiedlichen nachhaltigen Projekten arbeiten: Von der Schülermitverantwortung (SMV) über die Schülerfirma, die Schulhof AG, der Freundeskreis, die Technik AG bis hin zur Steuerungsgruppe. Bestrebungen für mehr Nachhaltigkeit hat es in allen Teams schon lange gegeben. Neu ist der extra gegründete Nachhaltigkeits-Ausschuss (NA) und die enge Zusammenarbeit aller Projektgruppen.

ZWEI NACHHALTIGKEITSBEREICHE UND EIN GROSSES ZIEL

Ein erstes Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit ist die Gliederung der Nachhaltigkeitsthemen in zwei Bereiche
1.    Ressourcenschonung
2.    Normen und Werte.
Zudem hat sich das OHG ein großes Ziel gesetzt: den Schulalltag so nachhaltig und CO2-neutral wie möglich zu gestalten. Daraus entstanden ist unter anderem das neue Mülltrennsystem.

KLEINE VERÄNDERUNGEN, GROSSE WIRKUNG

 „Ein Mülltrennsystem trägt erstaunlich viel dazu bei“, erklärt Paula, Schülersprecherin am OHG, und ergänzt „denn die bei der Verbrennung entstehenden Treibhausgasemissionen werden auf diese Weise erheblich reduziert.“ Paula und das SMV-Team haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und wissen, dass auch kleine Veränderungen – wie Mülltrennung auf den ersten Blick vielleicht erscheint – einen großen Einfluss haben. Vorausgesetzt: Der Müll wird richtig getrennt oder noch besser gleich vermieden.

RECHERCHIEREN UND VORAUSSETZUNGEN SCHAFFEN

Die Schüler haben recherchiert und sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Zusätzlich war Andreas Fath, Professor an der Universität Furtwangen, zu Gast in der Schule und referierte zum Thema Generation Plastik. Der „verrückte“ Chemie-Professor schwamm den 1.231 Kilometer langen Rhein von der Quelle bis zur Mündung und entnahm, über an seinem Neoprenanzug angebrachtes Mikrofasergeflecht, täglich Wasserproben, die seine Studenten auswerteten. Das Ergebnis der Studenten: immer mehr Mikroplastik-Partikeln landen über Tiere und Trinkwasser wieder in unserer Nahrungskette. Aber wie das Plastikproblem lösen? Was kann jeder dazu beitragen? Zum einen Plastik vermeiden und zum anderen in einen Wiederverwertungskreislauf geben, in dem Plastik nicht mehr in der Natur landet, sondern wieder in einem Produkt.

Ein Thema das auch die Schüler und Schülerinnen beschäftigt. Vor allem: Was kann am OHG verbessert werden? Das SMV-Team hat Lösungen gefunden. Sie haben erkannt, dass die Voraussetzungen um Müll überhaupt trennen zu können an der Schule verbessert werden müssen und das am besten so einfach wie möglich. So ist ein Mülltrennsystem aufgeteilt in Bio-Müll, Papier und Grüne Tonne entstanden. In jedem Klassenzimmer hängen nun die „Müll-Leisten“, wie sie die Schüler nennen. Und damit jeder weiß, was in welchen Mülleimer gehört hängt darüber eine Erklärung.

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JE BESSER MÜLL GETRENNT IST, DESTO HÖHER DIE RECYCLINGQUOTE

Es ist wohl nur fair zu sagen: Müll korrekt zu entsorgen, ist durchaus kompliziert. Gehören Taschentücher in den Restmüll oder in die braune Tonne? Was ist mit der Papiertüte des Bäckers? Und in welche Tonne kommt eigentlich der Joghurtbecher? Paula und das SMV-Team möchten durch Unterrichtseinheiten und Besuche in den Klassen bei ihren Mitschülern ein Bewusstsein für das Müllproblem schaffen und Fragen zur Mülltrennung beantworten. „Bisher kommt das System sehr gut bei der Schülerschaft an,“ erklärt die Schülersprecherin und gibt gleich die ersten Erfahrungen weiter „wir haben bemerkt, dass der normale Eimer dennoch im Mülltrennsystem  integriert sein sollte, da aus Gewohnheitsgründen häufig jeglicher Müll in die nur noch für Plastik und Verpackungen vorgesehenen Eimer entsorgt wurde. Aus diesem Grund versuchen wir auch mehr solcher „Müll-Leisten“ auf den Gängen anzubringen - damit der Weg zur Mülltrennung nie zu weit ist.“

MASSNAHMEN GEGEN ZU VOLLE MÜLLTONNEN

Bei all den Maßnahmen zur Mülltrennung ist klar: Der beste Müll ist der, welcher gar nicht erst entsteht. Denn wer viel Abfall erzeugt, hat auch viele Ressourcen verbraucht und mit 226,5 kg Verpackungsmüll pro Kopf im Jahr sind wir in Deutschland im europäische Vergleich Spitzenreiter (Quelle: Umweltbundesamt). Deshalb organisierten die Wieslocher Schüler eine Kleidertauschparty, führten Mehrwegbecher ein und bereiten Getränkeautomaten mit Glasflaschen vor.

DIE PUZZLETEILE FÜGEN SICH ZUSAMMEN

„Das Trennsystem ist erst eine der anfänglichen Projekte und Aktionen, durch welche unsere Schule nachhaltiger werden soll“ erklärt Paula. Deutlich zeigen uns dies die zahlreichen Projekte, so beschäftigt sich die Schulgarten-AG damit, die „Betonwüste“ Schulhof in einen naturnahen Ort der Erholung und Entspannung umzugestalten. Die Bauarbeiten starten voraussichtlich im April. Die Mitglieder der Technik-AG haben 32 alte Overheadprojektoren „upgecyclet“ und zu Medientische mit modernen Dokumentenkameras und Schnittstellen für verschiedene Endgeräte umfunktioniert. Die Steuerungsgruppe hat mit dem „OHG-Knigge“ eine wichtige Maßnahme zur Pflege der Kommunikationskultur an der Schule auf den Weg gebracht. Die Schulleiterin des Ottheinrich-Gymnasiums, Dr. Svenja Kuhfuß, ist sehr angetan von der Integration der einzelnen Bestrebungen: „Die einzelnen Puzzleteile fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, in dem ein großes Potenzial sichtbar wird.“

Auch wir sind begeistert von den Entwicklungen an der Schule und freuen uns, dass wir das Ottheinrich-Gymnasium mit unserem Schulprojekt „REdUSE-nachhaltige Schulen“ und dem Volksbank Kraichgau Fonds-Nachhaltigkeit finanziell unterstützen können.

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