Von einem, der sein Ding macht

Allen Widerständen zum Trotz: Oliver Spiess lebt den Einzelhandel

Ein Bericht von Julia Höhr | 23.08.2021

Leicht waren die letzten Monate für keinen von uns: Corona hatte das private Leben fest im Griff. Für Einzelhändler wie Oliver Spiess kommt dazu die berufliche Komponente - und wird schnell zu einer existenziellen Bedrohung. Der 56-jährige Inhaber von Spiess Fashion in Eppingen musste sich einiges einfallen lassen, um sein Unternehmen durch die Krise zu bringen. Obwohl die Corona-Lage weiter unsicher ist, glaubt Spiess fest daran, dass sein Lebenswerk bestehen wird. Weil er mit der Volksbank Kraichgau einen flexiblen Partner an der Seite hat, und weil Oliver Spiess sowieso nicht aufgibt: „Ich mache mein Ding, egal, ob es regnet, stürmt oder schneit.“

Modehaus Spiess

 

Kampfgeist trifft Kreativität

Not macht erfinderisch - wo sich der Volksmund recht vage gibt, zeigt Oliver Spiess, wie genau man diese Weisheit ausgestalten kann. Als das Spiess Modehaus und das Spiess Wäschehaus Corona-bedingt schließen mussten, wagte er zunächst einen Ausflug in Richtung online. „Wir haben über unsere Homepage Überraschungs-Modeboxen verkauft, mit einem Give-away darin sowie Briefen unserer Mitarbeiter:innen“, erzählt er. Die Aktion kam gut an, konnte aber nicht verhindern, dass der Eppinger seine rund 40 Angestellten schweren Herzens vorübergehend in Kurzarbeit schicken musste.


Die Sache mit der Systemrelevanz

Um auf genau diesen Überlebenskampf des Einzelhandels aufmerksam zu machen, meldete er ein neues, systemrelevantes Gewerbe an und eröffnete im März den Klopapier-Megastore, wo er neben Lebensmitteln und Drogeriebedarf auch Kleidung
verkaufte. Mit Öffnung des normalen Geschäftsbetriebs meldete er das Gewerbe wieder ab. „Ich bin weder Corona-Leugner noch Gegner der Politik, aber mit allem einverstanden bin ich auch nicht“, sagt Spiess. „Mir war schnell klar, dass ich aktiv werden muss und nicht abwarten kann, bis die Dinge an anderer Stelle für mich geregelt werden.“
 

Mit der Attitüde von Udo Lindenberg

Es passt nicht nur sehr gut ins Ladenbild, dass ein Udo-Lindenberg-Shirt mit „Ich mach’ mein Ding“-Aufschrift eine Wand bei Spiess Fashion ziert. „Das Teil war im Bestand einer Ladenfläche, die ich einst übernahm. Der Songtext beschreibt mein Unternehmen und mich sehr treffend. Die Haltung ist quasi Teil meiner DNA“, lacht der Vater eines Sohnes, der übrigens auch beim Online-Handel seinen eigenen Weg geht und trotz positiver Erfahrungen nun wieder darauf verzichtet. „Ich bin schlichtweg nicht offen dafür, es ist nicht meine Welt. Mir ist es wichtig, dass meine Kund:innen die Herzlichkeit meines Teams spüren können, das geht für mich nur vor Ort.“

 

Die Volksbank Kraichgau an der Seite

Angst davor, auch mal einen Schritt zurück zu machen, hatte Oliver Spiess nie. Nachdem er sich 1998 selbstständig machte, führte er zwischenzeitlich mehrere Läden der s.Oliver- Gruppe. Als die Zeit der Stores zu Ende ging, wagte er sich „back to the roots“ und entschloss sich zur Rückabwicklung. „Die Volksbank Kraichgau war immer an meine Seite, sie hat nicht nur mein Wachstum begleitet“, berichtet Spiess. Die Zusammenarbeit mit seinem Berater Klaus Rottmann schätzt er sehr. Beide stehen telefonisch, per Videotelefonie, aber auch persönlich vor Ort in engem Kontakt. „Nähe und Erreichbarkeit sind mir sehr wichtig und aus meinem Alltag nicht wegzudenken.“

Modehaus Spiess
Modehaus Spiess

 

Flexibilität steht über allem

Ebenfalls nicht wegdenken möchte sich Oliver Spiess das flexible Banking der Volksbank Kraichgau: „Es gibt so viele Dinge, die elementar sind, seien es Bezahlterminals oder Online-Banking. Meine Kund:innen wollen mit EC-Karte, Kreditkarte oder auch mit dem Handy bezahlen. Dank der Volksbank kann ich all das ohne Probleme umsetzen.“ Wohin sich der Einzelhandel in Zukunft entwickelt, darauf ist Spiess gespannt. Als Kind der Branche hat er jeden noch so kleinen Wandel der letzten Jahrzehnte mitbekommen. „Meine Oma und mein Onkel hatten ein Modegeschäft. Ich war viel dort, das hat mich geprägt“, erzählt der Groß- und Außenhandelskaufmann.


Eine Zukunft voller Lebensfreude

Für die Zukunft wünscht er sich - und seiner Firma Spiess Fashion, dass wieder mehr Lebensfreude in den Alltag einzieht. „Damit steht und fällt für mich alles“, sagt er. „Wenn die Menschen wieder regelmäßig ins Büro gehen und das Ausgehen zur Normalität gehört, dann wird die Mode auch wieder eine größere Rolle spielen.“ Bis es soweit ist, versucht Oliver Spiess im Garten seiner Freundin den Kopf freizubekommen. „Immer wieder abzuschalten ist die Voraussetzung dafür, dass ich mit voller Kraft mein Ding machen kann, um es zum Abschluss noch einmal mit Udos Worten zu sagen.“ Er lächelt - und hinterlässt mir einen Ohrwurm, der mich noch einige Tage begleiten wird.

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