Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit Für ein tolerantes und demokratisches Miteinander

Ein Bericht von Nicole Pollakowsky | 05.05.2022

In Wiesloch engagiert sich das Bündnis für Demokratie und Toleranz e. V. für ein gutes Miteinander in der Stadt. Mit vielfältigen Aktionen zeigt die Initiative, wie wertvoll eine vielfältige Gesellschaft ist – und warum wir sie pflegen sollten.

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – gute Idee! Demokratie fördern – auf jeden Fall! Für Toleranz eintreten – ja, bitte! Aber wie genau macht man das eigentlich? Wie füllt man so wichtige, aber eben auch abstrakte Begriffe wie Demokratie, Zusammenhalt oder Toleranz ganz konkret mit Leben? Antworten auf diese Frage hat Jan-Peter Oppenheimer. Er sagt: „Uns ist es wichtig, die Demokratie und eine offene, tolerante Gesellschaft nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Daher möchten wir dazu beitragen, die Demokratie zu fördern, für Zusammenhalt und Pluralismus zu werben und uns gegen antidemokratische Strömungen zur Wehr zu setzen.“ Oppenheimer ist Co-Vorsitzender des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz Wiesloch“, in dem sich Wieslocherinnen und Wieslocher für ein gutes demokratisches Miteinander in ihrer Stadt engagieren. Seit 2018 ist das Bündnis ein eingetragener Verein, die Ursprünge der Initiative reichen noch weiter zurück: Im Jahr 2012 hatten rechte Gruppierungen einen Aufmarsch in Wiesloch angekündigt – die Bürgerschaft wollte das nicht stillschweigend hinnehmen und organisierte eine Gegenveranstaltung, bei der über 3000 Demonstrantinnen und Demonstranten für ein buntes, tolerantes und vielfältiges Wiesloch auf die Straße gingen. Daraus formierte sich in den Folgejahren das Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Bündnis für Demokratie und Toleranz

Zusammenhalt muss gepflegt werden

Das Gefühl von Zusammenhalt, das er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter 2012 empfunden hätten, sei auch heute, zehn Jahre später, nach wie vor keine Selbstverständlichkeit, sagt Jan-Peter Oppenheimer. „Gerade in Zeiten von Wirtschafts-, Klima- oder Flüchtlingskrise ist das ein weites Feld, das stetig gepflegt und neu bepflanzt werden muss.“ Daran arbeiten die etwa rund 180 Vereinsmitglieder aktiv, indem sie lokale Aktionen anstoßen und unterstützen. Die Maßnahmen reichen von Kunstprojekten über Kommunikationstrainings bis hin zu Solidaritätskundgebungen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer Themen wie Vielfalt und der Austausch miteinander. „Bei genauer Betrachtung birgt gerade unsere immer vielfältigere Gesellschaft ein großes Potenzial für unsere Demokratie“, begründet die stellvertretende Vorsitzende Gabriela Lachenauer diese Schwerpunktsetzung.

Klaus Bieler, stv. Sprecher des Vorstands, im Gespräch mit Gabriela Lachenauer und Jan-Peter Oppenheimer.

Ein Anliegen sind ihr auch Projekte gegen Ausgrenzung. „Neben Menschen mit Migrationshintergrund werden beispielsweise auch auf von Armut oder Wohnungslosigkeit Betroffene häufig ausgegrenzt, ebenso Menschen mit Behinderung, Langzeitarbeitslose sowie queere Menschen“, sagt sie. Zunehmend würden von Demokratiefeinden Versuche unternommen, diese in unterschiedlicher Weise auf gesellschaftliche Solidarität angewiesenen Menschen, gegeneinander auszuspielen. „Es ist daher eine weitere Aufgabe unseres Vereins gegen Diskriminierung vorzugehen und für Teilhabe aller einzutreten“, so Lachenauer.

„Populismus liefert keine Antworten“

Den Austausch fördern und den Diskurs aufrechterhalten – diese Ziele sind auch Jan-Peter Oppenheimer bei seinem Engagement besonders wichtig. Die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen könne nur in einer Demokratie funktionieren. Gerade jetzt sehe man am Beispiel des fürchterlichen Krieges in der Ukraine, dass der Populismus keine Antworten liefere, so Oppenheimer. „Dort wo es keinen freien politischen Diskurs mehr gibt, gibt es auch keine Lösungsvorschläge. Das führt zu autokratischen Systemen ohne Demokratie und unweigerlich entfernt es uns von einer friedlichen Zukunft.“

Ganz nach dem Motto „Vielfach erleben“ entsteht im Stadtwingert Wiesloch ein internationaler Kräutergarten. Auch wir unterstützen gerne dieses tolle Projekt.

Bündnis für Demokratie und Toleranz

Aktiv für die Demokratie

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz Wiesloch e.V. freut sich über Spenden – und über neue Mitglieder, die sich aktiv für eine lebendige Demokratie einsetzen möchten.  Alle Bürgerinnen und Bürger, Schulklassen oder Vereine, die demokratiefördernde Projekte planen, können beim Bündnis einen Förderantrag für finanzielle Unterstützung einreichen. Eine Vereinsmitgliedschaft ist dafür nicht erforderlich. Mehr Infos unter demokratie-wiesloch.de

Auswahl von Projekten, die das Bündnis für Demokratie und Toleranz mit und für Wieslocher Bürgerinnen und Bürger umgesetzt hat:
  •  Initiierung Projekt „Internationaler Kräutergarten“ im Gerbersruhpark
  • Diverse Kundgebungen zum Thema „Solidarisch aus der Pandemie“
  • Veranstaltung der jährlichen „Wieslocher Demokratiekonferenz“
  • Initiierung und Begleitung der Wieslocher „Partnerschaft für Demokratie (PfD)“
  • Einrichtung einer Corona-Teststation in der Wieslocher Innenstadt
  • Einrichtung des „Wieslocher Wohnzimmers“ als offenem Begegnungsraum für alle
  • Unterstützung und Begleitung diverser Demokratie-Projekte
  • Dialogformat Frauenweiler (Wiesloch) spricht


Übrigens: Dies ist ein Beitrag aus unserem Geschäftsbericht 2021. Den vollständigen Geschäftsbericht finden Sie hier.

Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren

Mit TARTUFO Musik und Integration verbinden Gospelchor Forst bringt „überraschend anders“ ein Stück badischer Heimatgeschichte auf die Bühne

Forst 1950 und heute - Zuwanderer und Flüchtlinge. Ein mitreißendes Musiktheater zeigt die Parallelen zwischen heute und damals. Witzig, temporeich und vielfältig. Und am Ende ist klar: es bleibt alles anders.

„Wir müssen Unterschiedlichkeit zulassen“ Vom Sport lernen, wie Gemeinschaft funktioniert

„Auf dem Platz geht es nur mit Respekt und gegenseitiger Unterstützung“, sagt Sportpsychologe Prof. Dr. Jan Mayer. Der Geschäftsführer beim Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim ist überzeugt: In Sachen Zusammenhalt können wir als Gesellschaft uns vom Sport einiges abschauen.

Im Handwerk gemeinsam anpacken Spannende Projekte und neueste Technik machen Jobs im Handwerk attraktiv


Lieferengpässe, explodierende Materialkosten und verschärfter Personalmangel – die aktuelle Situation im Handwerk ist herausfordernd. Wie gehen die Unternehmen damit um? Welche Strategien gibt es, um bestehende Mitarbeitende zu binden und um neue Kolleginnen und Kollegen zu finden? Wir haben in drei Handwerksbetrieben aus der Region nachgefragt.

Mehr Anzeigen

Kommentare