„Zum Glücklichsein braucht man keine rosarote Brille“

Raffaella Lochbühler über berufliche & private Glückszutaten

Ein Bericht von Julia Höhr & Katja Schäfer | 03.06.2022

Wenn man mit Raffaella Lochbühler über das Thema Glück spricht, wird man von ganz alleine zunehmend fröhlicher. Denn es ist quasi unmöglich, sich nicht für die Worte und Ideen der 45-Jährigen zu begeistern. Raffaella Lochbühler ist Kommunikationstrainerin und als solche seit zehn Jahren bei der Volksbank Kraichgau im Einsatz.
Ihr Ziel: Sowohl Führungskräfte als auch jeden einzelnen von uns für die Bedeutung von Glück zu sensibilisieren. Wir haben mit der Hobby-Fotografin über Glückszutaten gesprochen und nachgefragt, was man im Beruflichen wie im Privaten für ein glückliches Leben tun kann.

Runter mit der rosaroten Brille

Die beste Nachricht gleich zu Beginn: Jeder Einzelne von uns hat seinen ganz eigenen Wirkungskreis, innerhalb dessen er entscheidende Stellschrauben drehen kann. Damit geht für Raffaella Lochbühler auch eine Eigenverantwortung einher: „Wir alle können gewisse Zutaten für Glück in unseren Alltag integrieren. Das lässt sich sogar trainieren.“ Einer rosaroten Brille bedarf es dazu nicht, im Gegenteil. „Alles in positivem Licht zu sehen und ein unrealistisches Welt- oder auch Arbeitsbild zu haben, hat mit Glücklichsein wenig zu tun“, sagt die Mutter eines sechsjährigen Sohnes und fügt hinzu: „Glückliche Menschen haben erst recht ein Bewusstsein dafür, dass es gute und schlechte Momente gibt und Konflikte in einer gelingenden Beziehung - privat wie beruflich - dazu gehören, auch wenn es sich nicht direkt gut anfühlt.“

Glück am Arbeitsplatz

Die Bedeutung der Dankbarkeit …

Dass dankbare Menschen glücklicher sind, ist nicht nur für die Glücksforschung ein Fakt. „Dankbarkeit trägt zum Glücksempfinden bei“, ist auch Lochbühler sicher. Dabei geht es für die Schriesheimerin zum einen um die entsprechende Haltung, aber auch um das konkrete Ausdrücken von Wertschätzung: „Wer Dankbarkeit kommuniziert, nährt die eigene Seele. Und das ohne viel Aufwand: Danke sagen geht ganz schnell und kostet nichts.“ Natürlich gehören auch für Raffaella Lochbühler harte Fakten wie die soziale Absicherung zum Glücksempfinden dazu. Aber Glück sei eben auch eine Einstellungssache, sagt sie: „Ich kann mich bewusst dafür entscheiden, am Ende des Tages den positiven und den gelungenen Dingen mehr Raum zu geben anstatt den Dingen, die nicht so erfreulich waren. Wenn ich das Radio anmache und mein Lieblingslied läuft, dann ist das für mich das kleine Alltagsglück. Genau wie die erste Cabriofahrt des Jahres. Diese Dinge passieren ganz nebenbei, ich muss sie nur wahrnehmen. Im beruflichen Alltag ist das ähnlich: Gemeinsam mit den Kolleg:innen an einer neuen Idee zu arbeiten, auch mal wertschätzend um den gemeinsamen Konsens zu ringen – das macht mich glücklich, auch wenn es manchmal anstrengend ist.“

Glück am Arbeitsplatz

… und die Rolle der Selbstfürsorge

Nehmen sollte man sich laut Lochbühler auch die Zeit für Selbstfürsorge. „Regelmäßig Energie aufzutanken ist enorm wichtig, um in einer positiven Grundstimmung zu bleiben und diese  idealerweise auch auszustrahlen“, sagt sie und erklärt weiter: „Da hat jeder individuelle Kraftquellen. Aus Untersuchungen wissen wir, dass soziale Beziehungen eine sehr wichtige Rolle dabei spielen. Für mich persönlich sind sie wie eine Netzeinkaufstasche: Ich spinne mir ein soziales Netz, das mich tragen oder gegebenenfalls auffangen kann.“

Wieso gehören Glück und Arbeit zusammen?

Wer Glück am Arbeitslatz für eine romantische Phantasie hält, der irrt, findet Raffaella Lochbühler: „Glückliche Mitarbeiter:innen sind schlichtweg ein Wettbewerbsvorteil.

Studien beweisen immer wieder, dass Mitarbeiterzufriedenheit wirtschaftliche Relevanz hat, weil sie die Leistungsfähigkeit steigert, Veränderungen gegenüber robuster macht und auch emotionale Bindung schafft. Es geht um seelische Gesundheit. Das ist kein Nice-to-Have, sondern vielmehr die Basis für erfolgreiches Arbeiten.“

Was Führungskräfte tun können

„Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion“, erklärt die Trainerin. So könnten sie nicht nur die Rahmenbedingungen positiv beeinflussen, sondern auch den Sinn der Arbeit vermitteln und Erfolge erlebbar machen. „Für mich gibt es zwei entscheidende Fragen im Zusammenhang mit Glück am Arbeitsplatz: Wie vertraut gehen wir miteinander um? Und wie professionell arbeiten wir zusammen? Vor allem in herausfordernden Situationen, die sich auch ständig verändern können“, so Lochbühler. Und weiter: „Zusammenhalt und Teamleistung gehen miteinander einher. Ich sollte angstfrei arbeiten und auch Konflikte ansprechen können. Solange letzteres wertschätzend geschieht, sind ausgetragene Konflikte sogar ein Zeichen von Vertrauen. Um Glück am Arbeitsplatz empfinden zu können, benötigt es die Mitarbeit des gesamten Teams.“

Der Glücksstatus Quo bei der Volksbank Kraichgau

Von der Kinder- und Ferienbetreuung über das JobRad bis hin zur psychologischen Telefonberatung: Die Volksbank Kraichgau schafft gute Rahmenbedingungen für zufriedene Mitarbeiter:innen, findet Raffaella Lochbühler. „Die Erkenntnis zur Wichtigkeit des Themas ist da. Jetzt müssen wir alle zusammen schauen, wie wir all das in die Umsetzung bekommen.“

Besonders positiv findet sie dabei die neuen Führungsleitlinien: „Gemeinsam mit der Unternehmensleitung, den Bereichsleiter:innen und der Personalabteilung haben wir uns gefragt, wie Führung gelebt werden soll und kamen auf sehr wichtige Aspekte wie zum Beispiel den Fokus auf die Stärken der Angestellten zu legen und eben auch aus Fehlern zu lernen.“

Glück am Arbeitsplatz

Wie gelingt das im Traineralltag?

Raffaella Lochbühler begleitet Mitarbeiter:innen auch bei herausfordernden Veränderungsprozessen wie nach einer Fusion: „Ich wünsche mir, dass die Menschen aus meinen Terminen mit einem Zugewinn an Energie herausgehen, unabhängig ob Einzelcoaching oder Gruppentraining.“ Der Weg ans Ziel falle dabei immer unterschiedlich aus. Mal sei die Methodik entscheidend, mal das Aufzeigen neuer Perspektiven oder das Schaffen von Struktur. Immer wieder betont Lochbühler auch die Wichtigkeit des Reflektierens und davon, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten: „Ich habe selbst in einem Workshop symbolisch hierfür eine Discokugel von einer Trainerkollegin geschenkt bekommen. Diese Idee fand ich so toll, dass ich direkt bei ihr Discokugeln für meine Teilnehmer:innen bestellt habe.“

Tipps: Sofortmaßnahmen für mehr Glücksgefühle

„In meinen Seminaren bitte ich die Teilnehmer:innen, ihr Smartphone in die Hand zu nehmen und jemandem eine Dankesnachricht zu schicken“, erzählt die Kommunikationstrainerin. Und weiter: „Die Mundwinkel aller gehen beim Schreiben direkt nach oben. Das ist so schön zu beobachten.“ Ebenfalls hilfreich kann das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs sein. Wer keinen Stift zur Hand nehmen mag, kann sich gedanklich die Frage beantworten, für welche drei Dinge man heute dankbar ist. Raffaella Lochbühler ermutigt: „Das muss nichts besonders Außergewöhnliches sein. Wir sind in vielen Lebensbereichen privilegiert, wer sich dessen bewusst und dankbar für das vermeintlich Selbstverständliche ist, kommt automatisch in eine positive Haltung.“

Und wie glücklich ist jemand, der Glücksseminare gibt?

Wie verhält es sich mit dem Glück eigentlich bei Raffaella Lochbühler selbst? Was ist Glück für sie? „Für mich ist es das tiefe Vertrauen darauf, dass ich in schwierigen Lebenssituationen nicht alleine bin, meine Familie und meine engen Freunde sind für mich da. Und wichtig finde ich, die Energie - privat wie beruflich - auf die Dinge zu fokussieren, die ich beeinflussen und verändern kann.“ Glück bedeutet für die Italien-Liebhaberin übrigens nicht, 24 Stunden am Tag happy zu sein: „Aber ich erlebe jeden Tag Momente, für die ich dankbar bin. Und genau darum geht es“, sagt sie - und legt mit einem Lächeln im Gesicht die vor uns liegende rosarote Brille noch ein kleines Stück weiter zur Seite.

Übrigens: Dies ist ein Beitrag aus unserem Geschäftsbericht 2021. Den vollständigen Geschäftsbericht finden Sie hier.

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