In 45 Jahren quer durch die Bank Goodbye, Joachim Bride

Ein Bericht von Christina Mildenberger | 24.11.2020

Auf meiner Reise durch die Volksbank durfte ich bisher viele interessante Bereiche kennenlernen und hinter die Kulissen unseres Vorstands Matthias Zander sowie den Abteilungen DigitalOffice & Marketing, Prozessmanagement und unserer Bau-Orga blicken.
Heute habe ich (fast) ein Heimspiel, denn mein nächster „Blick hinter die Kulissen“ führt mich in die Filialbank.

Die Filialbank…

…mein Aufgabengebiet und das Aufgabengebiet meines nächsten Interviewpartners, Herrn Bride.
Herr Bride ist einer unserer beiden Bereichsleiter und zuständig für den Filialbereich der Filialbank Wiesloch, für das FinanzierungsCenter, sowie die Mitarbeiterberatung.

Arbeitsplatz für Allrounder

Die Filialbank ist unsere erste Anlaufstelle für Kunden und, so sagt Herr Bride, ein Arbeitsplatz für „Allrounder“.
Die Aufgabengebiete der Service-, Kunden- und Finanzberater sind sehr breit gefächert.
Von der Verarbeitung des Bargelds, tätigen von Überweisungen, Anlage von Daueraufträgen, Einrichtung von Vollmachten, Freistellungsaufträgen, dem Onlinebanking, die Beantragung von Kredit- und Bankkarten, den Beratungen in Vermögensanlagen, im Wertpapiergeschäft oder von Versicherungen, über die Aufnahme von Krediten…
Es gibt viel zu wissen und zu tun.
„Das Aufgabengebiet ist riesig“, so Herr Bride.
Auch bei verschiedenen Ereignissen wie dem 18. Geburtstag, der Geburt eines Kindes, bei Heirat, Trennung, Todesfall und Nachlassangelegenheiten sind die Mitarbeitenden in der Filialbank direkte Ansprechpartner unserer Kunden. Egal, ob dies Privatkunden, Firmenkunden oder beispielsweise Vereine sind.

Verabschiedung Joachim Bride


Alter Hase mit tiefen Wurzeln

„Genau diese Vielfalt macht den Reiz aus“, verrät mir mein Interviewpartner.
Er kennt sich aus - ist ein „alter Hase“.
Am 25. November 2020 ist sein offiziell letzter Arbeitstag. Dass ihm seine Arbeit gefällt, merke ich immer und immer wieder bei unserem Gespräch. Herr Bride ist ein Mensch, der zufrieden auf sein Arbeitsleben zurückblickt. Er ist dankbar für diese Zeit. Eine Zeit, die auch von Höhen und Tiefen geprägt war.
„Es sind aber auch die nicht so schönen Erfahrungen, die uns auf unserem Lebensweg weiterbringen. Man lernt daraus.“
Als Bereichsleiter der Filialbank muss man ein Allrounder sein, denn fast alles sammelt sich wieder dort. Es ist wie bei einem Baum. Die Filialbank, die Mitarbeitenden vor Ort, sind wie die Wurzeln eines Baums. Es ist faszinierend: Fast jeder Interviewpartner von mir, die meisten Mitarbeitenden, selbst unser Vorstand, hat seinen Ursprung, seine Wurzeln, in der Filialbank.
 

Auch Herr Bride hat 1975 als AZUBI bei der Spar- und Kreditbank Wiesloch (später Volksbank Wiesloch) angefangen – hat eine Ausbildung als Bankkaufmann absolviert. Nach seiner Ausbildung war er klassisch „Springer“, später am Service, Kassier, Privatkundenberater, Filialleiter, Kreditsachbearbeiter, hat in dieser Zeit eine Kreditausbildung im Hause absolviert, arbeitete danach im Wertpapierbereich, in der Immobilienfinanzierung, als Firmenkundebetreuer, hatte später Teilmarktverantwortung und wurde schließlich Bereichsleiter.
Sein erworbener Abschluss nach diversen nebenberuflichen und internen Weiterbildungen: Diplomierter Bankbetriebswirt (ADG).

Viele Stationen - am Ende wollte er allerdings wieder zurück zu seinen Wurzeln: Der Filialbank.
„Warum? Weil mich die „Breite Verantwortung“ gereizt hat. Das Aufgabengebiet ist sehr vielfältig und spannend. Außerdem mag ich die Arbeit mit Menschen.“

Die Arbeit mit Menschen erfordert Fingerspitzengefühl

„Man sollte Freude und Lust haben mit Menschen zu arbeiten.“
Dies ist der Grund, was man nach Ansicht von Herrn Bride, unbedingt mitbringen muss, wenn man in der Filialbank arbeiten möchte.
Das ist das Wichtigste.“ Nirgends sonst kommt man so oft und so nahe mit Kunden zusammen.
Die Arbeit mit Kunden erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl.
Wir „Banker“ sind in vielen Situationen die erste Anlaufstelle. Es gibt sehr viele freudige Ereignisse, welche Kunden zu uns führen (die Geburt eines Kindes, Enkelkindes, eine Heirat, die Zahlung eines lang ersehnten Urlaubs, der Kauf einer Immobilie) – leider aber auch traurige bis heikle Ereignisse (Insolvenzen, Scheidung, Tod, Erbauseinandersetzungen), so oder so fordert dies ein großes Maß an Wissen und Empathie – damals, wie heute.

Gehalt gab’s in der Lohntüte

Was sich seit damals geändert hat?
Joachim Bride schmunzelt: „Viel. Wenn man überlegt, dass wir damals noch mit Lochkarten gearbeitet haben… Es gab keine Computer, keine IT, Zinsberechnungen wurden händisch gemacht, Belege händisch aufgestrippt, Überweisungen habe ich noch mit der Schreibmaschine ausgefüllt und mein Gehalt in Teilen in einer Lohntüte übergeben bekommen…“

Die Zeiten haben sich geändert. „Alles ist digitaler – globaler geworden.
Früher kamen die Kunden ausschließlich in die Filialen - heute haben wir auch andere Zugangswege. Unsere Kunden erreichen uns auch über unser ServiceCenter, vob@free (unsere Onlinefiliale) oder direkt über ihren Onlinebanking-Zugang.“

Ob die Filiale noch eine Zukunft hat?

„Definitiv. Es wird perspektivisch sicherlich weniger Filialen geben – wir werden aber auch in Zukunft nahe bei und am Kunden sein.“

Bei so vielen Veränderungen denken viele gerne an „die gute alte Zeit“ zurück. Was ist denn heute besser oder schlechter als damals?
„Es gibt kein besser oder schlechter: Es gibt nur ein Anders.“
Eine positive Einstellung, wie ich finde.
„Man lernt und man braucht diese positive Einstellung für diesen Job. Wenn man diese Veränderungen mitprägen will, muss man sie verstehen und akzeptieren. Die Ideen gibt der Markt und der Kunde vor, nicht wir.“


Mit Taktgefühl

Die Nähe zu den Menschen war auch schon immer ein Grund, der Joachim Bride Freude an seine Arbeit bereitet hat.
Was er vermissen wird? „Die Menschen - das soziale Umfeld.“
Als Vorgesetzter mit Personalverantwortung von aktuell 118 Mitarbeitern, bei zahlreichen „Meetings“ wie den Vorstands- und Bereichsleiterrunden, den Regionalmarktleiter-Jour Fixe, Einzel- und Mitarbeitergesprächen, diversen Abstimmungen sowie Projektarbeiten hat Herr Bride definitiv viel mit Menschen zu tun.
Wichtig bei solch einer Arbeit: Fingerspitzen- und Taktgefühl.
Dass mein Interviewpartner Taktgefühl hat, beweist er nicht nur bei seiner täglichen Arbeit – Taktgefühl benötigt er auch privat, beim Schlagzeugspielen, zum Beispiel mit seiner 1992 gegründeten Coverband „The DeeJays“ (Anmerkung von Herr Bride: Der Bandname hat nichts mit Konservenmusik zu tun, sondern resultiert aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der Bandmitglieder.)
Dass Herr Bride fest mit der Volksbank verwurzelt ist merkt man auch hier sehr deutlich, denn seine Bandkollegen sind aktuelle und ehemalige Arbeitskollegen von ihm.

 

Verabschiedung Joachim Bride

Ein Leuchten in den Augen

Nach einem oftmals langen Tag, der (so verrät er mir) meist mehr als acht Arbeitsstunden beträgt, powert sich Herr Bride (neben der Musik) gerne aus: Ich mache viel Sport, fahre Mountainbike, gehe walken, spiele Schlagzeug und genieße die Zeit mit meiner Familie.
 
45 Arbeitsjahre – eine lange Zeit. Ist es da überhaupt noch möglich, gewisse „Meilensteine“ heraus zu deuten?
„Eine schwierige Frage. Ein Meilenstein war, als ich das erste Mal in einer Führungsposition kam und Personalverantwortung erhalten habe. Ich war sehr aufgeregt.
Ein anderer Meilenstein (hier war ich noch viel aufgeregter), war meine Prüfung an der ADG (Akademie Deutscher Genossenschaften e.V.) in Montabaur, mit Abschluss des GBF (Genossenschaftliches Bank-Führungsseminar). „
Ein weiterer Meilenstein war für Herr Bride die Erteilung der Prokura – ein echter Vertrauensbeweis seines Arbeitgebers.
„Das schönste Erlebnis (Herr Bride wirkte kurz in Gedanken versunken - man sieht Freude, Zufriedenheit und Glück – ein Leuchten in seinen Augen), ein unvergesslicher Meilenstein, war allerdings die Geburt meiner Töchter.“
Herr Bride, ein Banker durch und durch, der sehr zufrieden auf seine berufliche Tätigkeit zurückblickt - und dennoch sind es diese gewissen Dinge im Leben, wie die Geburt eines Kindes, die uns Menschen bewegen und am Ende glücklich machen.

Zahlendruck

Auf diese Dinge freut sich Joachim Bride nun auch: Auf mehr Zeit (für sich, seine Hobbys, seine Familie), keinen voll geplanten Terminkalender und ohne Zahlendruck.
Zahlendruck – ein Punkt, der Mitarbeitende in der Filialbank immer wieder beschäftigt und leider auch, historisch gesehen, für ein schlechtes Image gesorgt hat.
Wohl auch ein Grund, so glaubt mein Interviewpartner, warum die Filialbank (im Service und der Beratung) nicht mehr so begehrt ist, wie am Anfang seiner beruflichen Laufbahn.
Wie in jedem Unternehmen müssen natürlich auch bei uns die wirtschaftlichen Zahlen stimmen, insofern gehört ein gewisser Zahlendruck einfach dazu.
Jedoch nicht nur der wirtschaftliche Erfolg ist Leitlinie unseres Tuns, wir Genossenschaftsbanken haben einen gesetzlich definierten Auftrag der unseren Mitgliedern und Kunden gilt, dies hat so keine andere Bankengruppe. Unsere Mitglieder und Kunden bei der Erreichung und Erfüllung ihrer Ziele und Wünsche zu begleiten ist für mich die eigentliche Grundlage unseres Erfolgs.

Den Wertewürfel immer auf dem Schreibtisch

Mit gutem Gewissen, mit Verantwortung, einem Wert, den die Volksbank Kraichgau vor Jahren auch auf ihrem „Wertewürfel“ zusammengetragen hat. Es sind Werte, wie Respekt, Vertrauen, Offenheit, Verantwortung und Nachhaltigkeit, die Herr Bride verinnerlicht hat – die ihn täglich begleiten und leiten.
„Der Wertewürfel ist IMMER auf meinem Schreibtisch – ich werde ihn auch mit nach Hause nehmen.“

„Haben Sie noch ein Schlusswort, bevor Sie sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wollen?“, war meine letzte Frage an Herrn Bride.
„Ich bin dankbar für ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben und dieser Dank gilt insbesondere den Menschen, die mir dies ermöglicht und die mich dabei begleitet haben.“

Dankbar bin ich für die Zeit, welche sich Herr Bride für das Interview genommen hat und den Blick hinter die Kulissen der Filialbank.

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