„Im Zweifel für den Kunden“

Beratung in Pandemie-Zeiten - unsere Firmenbank ist für ihre Kunden da.

Ein Bericht von Nicole Pollakowsky | 13.08.2020

Mit ihren Teams betreuen Joachim Fischer und Holger Neubauer rund 6.000 Unternehmen und Gewerbetreibende in der Region um Sinsheim und um Wiesloch – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum High-Tech-Konzern. Beratung in Pandemie-Zeiten heißt für die beiden Leiter der Firmenbank der Volksbank Kraichgau: Für die Kunden da sein, vermitteln, informieren und immer wieder pragmatische Lösungen finden im Dschungel der Corona-Regelungen.

Herr Fischer, Herr Neubauer, Sie leiten die Firmenbank der Volksbank Kraichgau seit vielen Jahren, haben Sie schon eine Situation erlebt, die vergleichbar war mit den zurückliegenden Monaten?

Joachim Fischer

Holger Neubauer: Nein, so etwas gab es noch nie. „Klassische“ Finanzmarktkrisen gehen ja oft von Konzernen aus und treffen die kleinen und mittleren Unternehmen erst nach und nach. Beim Shutdown im März dagegen mussten von heute auf morgen fast alle schließen. Auch wir selbst waren ja betroffen: Plötzlich war normaler Kundenkontakt nicht mehr möglich.

Joachim Fischer: Auch die rechtlichen Regelungen haben es uns nicht immer leicht gemacht. Viele Firmen haben dringend Liquidität benötigt. Wir dürfen Geld aber erst auszahlen, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Da mussten wir uns einiges einfallen lassen, um unter Einhaltung aller Shutdown-Regeln schnelle Lösungen zu finden und rechtskonforme Verträge abzuschließen.  

Holger Neubauer: Letztlich haben wir uns immer gefragt: Was will unser Wirtschaftsminister, Herr Altmaier? Will er, dass ein Unternehmen pleite geht? Wohl kaum. Also haben wir im Zweifel für den Kunden entschieden, unter Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen.

Wo liegen in Ihren Augen die größten Herausforderungen für Unternehmen und Gewerbetreibende und auch für Sie als deren Bankberater?

J. Fischer: Es war und ist schwierig zu planen – für unsere Kunden ebenso wie für uns als Bank.
Die Welt hat sich in Teilbereichen verändert.
Gerade in Hinblick auf die Liquidität war es schwer abzusehen, welche Hilfe kommt und für wie lange. Viele Kunden hatten Panik und waren sich nicht mehr sicher: Steht meine Bank noch zu mir und meinem Geschäftsmodell?
Wie konnten Sie helfen?
J. Fischer: Wir haben versucht zu beruhigen und haben mögliche Hilfsinstrumente aufgezeigt – von der Tilgungsaussetzung, über den KfW-Liquiditätskredit bis hin zur Soforthilfe vom Land.
H. Neubauer: Wir haben unzählige Gespräche geführt. Unsere Beratungs-Hotline war zusätzlich an den Samstagen geschaltet und wir haben auf die dringende Bitte vieler Kunden hin auch Präsenztermine organisiert, in großen Räumen und mit viel Abstand, um den Kunden persönlich Informationen zu geben – beziehungsweise zuzurufen.

Holger Neubauer

Und die Kunden haben das gewürdigt?

H. Neubauer: Wir haben gezeigt: Wir sind da und wollen euch helfen. Dafür haben wir viel Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Auch weil wir in vielen Fällen ganz unbürokratisch und pragmatisch gehandelt haben.

Wie zum Beispiel?

J. Fischer: Einem unserer Kunden, einem Pflegeheim, war das Desinfektionsmittel ausgegangen. Ein anderer Kunde wiederum hat seine Produktion um Desinfektionsmittel erweitert. Da konnten wir vermitteln und zumindest kurzfristig für Abhilfe sorgen.

Gab es auch andere – positive – Erfahrungen für Sie in der Corona-Zeit?

J. Fischer: Positiv ist, dass wir die digitalen Medien inzwischen viel häufiger und effizienter nutzen – sei es für interne Konferenzen oder auch für die Online-Kundenberatung. Die Kollegen haben das selbst eingefordert und ausprobiert, inzwischen ist die digitale Beratung ein Selbstläufer. Auch die Möglichkeiten zum Homeoffice nutzen wir jetzt viel stärker. Die Produktivität hat dadurch nicht nachgelassen, im Gegenteil. Das wollen wir beibehalten.


Manche Unternehmen – auch in stark betroffenen Branchen – sind besser durch die Krise gekommen als andere. Ihre Einschätzung: Was haben diese Firmen richtig gemacht?

H. Neubauer: Gut durch die Krise gekommen sind diejenigen, die die alten Tugenden nicht vergessen haben: Wer in guten Zeiten Kapital angespart hat, konnte in der Krise viel flexibler reagieren. Auch diversifizierte Unternehmen hatten bessere Ausgangsbedingungen als diejenigen, die nur auf ein Pferd gesetzt haben. Wir haben zehn Jahre Wirtschaftswachstum hinter uns. Wer da nicht die nötige Substanz hat, wenn er zwei Monate schließen muss, der muss sein Geschäftsmodell hinterfragen.

J. Fischer: Es gab diejenigen die gejammert haben und wollten, dass der Staat hilft. Und es gab andere, die gesagt haben: Es ist wie es ist. Jetzt gilt es, neue Märkte zu erobern und flexibel zu reagieren. Aus meiner Sicht sind diejenigen besser durchgekommen, die einfach die Ärmel hochgekrempelt und die Krise auch als Chance gesehen haben.

H. Neubauer: Vielfach hat sich gezeigt: Corona ist ein Beschleuniger, kein Verursacher. Wo es Fehler im Unternehmen gab, wurden diese durch Corona aufgedeckt und verstärkt.  


Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie werden wir noch lange spüren. Welche Themen treiben Ihre Kunden jenseits von Corona um und wie unterstützen Sie dabei?

J. Fischer: Ein ganz beherrschendes Thema ist der Fachkräftemangel. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben es im Wettbewerb mit den Großen nicht leicht die passenden Mitarbeiter zu finden.

H. Neubauer: Deshalb wird es immer wichtiger für die Unternehmen, sich als attraktiv zu präsentieren, etwa was die Sozialleistungen angeht. Wir haben da einen Katalog von Möglichkeiten, die helfen können, sich im Wettbewerb abzuheben, das reicht von der betrieblichen Altersversorgung bis hin zu Zusatzleistungen bei der Krankenversicherung – dazu beraten wir unsere Kunden. 

Holger Neubauer

Ein Thema, das auch in unserer Region zunehmend an Brisanz gewinnt, ist die Unternehmensnachfolge. Wie kann die Firmenbank dabei helfen, dass der Generationenwechsel gelingt?

H. Neubauer: Man muss jemand finden, der das Unternehmen weiterführen will. Das ist ein Geschäftsfeld, das bisher eher selten bei der Bank vermutet wird – zu Unrecht. Für viele unserer Kunden lohnt es sich nicht, für die Nachfolgersuche extra eine große Firma einzuschalten. Wir haben externe Partner, die im Sinn von Unternehmensmaklern agieren. Hier können wir Kontakte herstellen. Denn es liegt ja in unserem ureigensten Interesse, die Firma weiter zu begleiten.

 


Sie beraten auch Existenzgründer und Start-Ups. Was war die außergewöhnlichste Geschäftsidee, die Ihnen ein Kunde präsentiert hat?

H. Neubauer: Eine nicht-alltägliche Geschäftsidee war beispielsweise ein Fuß-Scan, der dafür sorgen sollte, dass es bei Schuhbestellungen im Internet weniger Retouren gibt. Allerdings war der Kapitalbedarf dafür relativ hoch und die Gründer waren nicht bereit, ins Risiko zu gehen. Und da muss ich als Banker leider sagen, das funktioniert nicht.
 
Was raten Sie Gründungwilligen vor dem Hintergrund der aktuellen Situation: Besser noch warten?  Oder jetzt in die Selbstständigkeit starten?

J. Fischer: Viel wichtiger als Corona oder ganz allgemein die wirtschaftliche Situation sind die Unternehmer und die Idee. Wenn die Idee wirtschaftlich vertretbar ist und der Unternehmergeist spürbar, dann ist es immer besser heute als morgen zu starten, bevor jemand anderes schneller ist.

 

Joachim Fischer

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